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Oh, it's a boy!

Als Geschenk zum 5. Monat gab es eine 99%-ige Prognose über das Geschlecht unseres Kindes. Wir bekommen also einen Jungen! Ein kleiner Mensch, der irgendwann einmal in vielen, vielen Jahren ein Mann werden wird. Wird er meinem Mann ähnlich sehen? Wird er meine Gesichtszüge haben? In meinem Kopf entstehen tausend Bilder und meine Neugierde, unser Kind endlich kennenzulernen, wächst von Woche zu Woche proportional mit meinem schon deutlich sichtbaren Schwangerschaftsbauch.

Ich hatte nie eine Vorliebe, was das Geschlecht unseres Kindes betrifft, und habe die Zeit der Ungewissheit auch sehr genossen. Auch wenn es paradox klingt, aber als wir wussten, dass ich schwanger bin, war das Gedankenspiel, unser Baby könnte sowohl das eine oder vielleicht doch das andere biologische Geschlecht haben, sehr toll. Wie ein magisches Fabelwesen wechselte mein Kind in meiner Phantasie von Mädchen zu Bub, von geschlechtsneutralem Baby zur heranwachsenden Frau und umgekehrt.

Wie sehr ich mir in meinen Studienjahren auch durch Lesen und Reflektieren eine Weltsicht erarbeitet hatte, in der das biologische Geschlecht ein überholtes Artefakt ist, so sehr habe ich das Gefühl, diese Haltung steht mehr denn je und vielleicht erstmals für mich auf dem Prüfstand. Durch meine Schwangerschaft und das Wissen um das biologische Geschlecht unseres Kindes bekommt die Debatte um Mann und Frau, um „sex“ und „gender“ für mich eine neue, persönliche Perspektive. Für den Dialog mit unserem Sohn wünsche ich mir eine geschlechtsneutrale Erziehung, das Bewusstsein, dass das soziale Geschlecht durch Imitation angelernt ist und eine weltoffene Toleranz.

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