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Oma spielt immer im Team Elsa

Diese Oma hätte man gern, noch viel lieber als Mira Lobes „Die Omama im Apfelbaum“, die war super, aber nichts gegen diese schwedische Oma, die sogar noch kühner als Astrid Lindgren ist, vielleicht eine zur Oma gealterte Pippi Langstrumpf. Dieser Roman erzählt Kindheit, erzählt Leben und erzählt Konflikte: zwischen Mutter und Tochter, zwischen Nachbarn, zwischen Leuten, die alles richtig machen wollen und solchen, die in Krisen einfach mal Kaffee kochen.

Das Heitere überwiegt, die bittere Medizin des Todes von Elsas Oma wird einem nicht gerade Mary-Poppins-haft mit einem Teelöffel Zucker versüßt, doch gut verständlich erklärt: Es ist Zeit, dass Oma geht. Darin hat der schwedische Autor ja Übung, in seinem ersten Erfolgsroman „Ein Mann namens Ove“ lässt er selbigen Ove ja auch langsam auf den Tod zugranteln, der dann ganz anders kommt, als der knurrige Einsame erwartet, der am Ende des Lebens doch noch einmal die Liebe entdeckt. Um Liebe geht es auch im Ringen der Frauen hier, Mama meint es gut, Oma meint es gut und Elsa sowieso. Selbst die irre Nachbarin hat irgendwo in sich einen kleinen guten Kern, auch der wird, bis wir das Buch mit Bedauern beenden müssen, noch gefunden.

Das klingt so locker, ist aber durchaus fest gewebt, der Erzählstrang, in den Backman witzige Einzelszenen hängt, Dialoge, die man immer wieder lesen will. So diskutiert Oma mit der 7-jährigen Elsa übers Rauchen, Oma raucht, tiefe Lungenzüge, Elsa argumentiert gegen dieses Laster, Elsas Mama argumentiert selbstverständlich mit Passiv-Rauch-Argument gegen jeden einzelnen Zug, den Oma nimmt.

Stell dich nicht so an! Die Menschen haben immer geraucht, und trotzdem sind sehr ordentliche Kinder dabei herausgekommen. Das ist einfach deine Generation, die nicht begreifen will, dass die Menschheit seit Millionen Jahren auch gut ohne Allergietests und sonstigen Kram überlebt hat, bis ihr kamt und dachtet, ihr wärt anders. Meinst du, als die Menschen damals in Höhlen gelebt haben, haben sie die Mammuthäute in der Maschine gewaschen, bevor sie die Neugeborenen darin eingewickelt haben?

 

Oma und Elsa teilen sich ein Zauberland, Miamas, in das geht Elsa, wenn sie unglücklich oder knapp vorm Einschlafen ist. „Beschütz das Schloss, beschütze deine Freunde“, hat Oma ihrer Enkelin als Vermächtnis hinterlassen, eine Armee hat sie ihr leider aber für die Umsetzung nicht hinterlassen. Ein modernes Märchen wird hier erzählt, das seine LeserInnen weiser macht, ihnen ein Lächeln ins Gesicht drückt und große Fragen ans Leben stellt.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Witz, Humor, eine schrille Alte, eine kluge Kleine, eine sehr rege Mutter-Tochter dazwischen, Phantasie, Philosophie, die Erkenntnis, dass das Leben einfach und kompliziert zugleich ist – deshalb gibt es Kekse, schreibt der Autor und damit auch die Begründung, sich gleich welche zu kaufen, zu borgen oder zu backen.

 

Der Autor ist erst 33 Jahre alt, hat vermutlich schon viele richtig gute Kekse gegessen, war Journalist und Gabelstaplerfahrer, ist Schwede, lebt in Schweden und schreibt dort seine Erfolgsromane.

 

 

Frederik Backman:

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid.

Roman.

Frankfurt a. Main: Krüger Verlag 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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