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Popcorn fürs richtig große Kino

Es gibt die trüben Novembertage, die auch im Jänner die Stimmung nicht bessern können. Da greift man gern zu Büchern, die einem die Laune aufhellen: Das schaffen jene Texte, die ehrlich sind, die Bekanntes gut aufbereiten und sich darauf verstehen, motivierende Metaphern und Bilder zu schaffen. All das ist der ORF-Journalistin Claudia Reiterer dermaßen gut geglückt, dass man sogar noch in lauen Maiabenden bereit ist, ein wenig über das Glück und seine Varianten, über die vielfach doch ergründlichen Wege zum Erfolg zu lesen.

Die Autorin beschreibt ihren eigenen Weg, diese Passagen sollte man unbedingt mehrmals lesen, dafür könnte man einige Interviews überspringen, wenn man Reich und Schön doch schon aus manchen Seitenblicken kennt. Nein, keine Kritik am Buch, sonst würde ich es hier gar nicht vorstellen, nur eine Form von persönlichem Lesezeichen. Reiterer erzählt von ihrer Pflegefamilie, die ihre Talente nicht sehen wollte, die sie wohl einfach hinnahm. Dann aber der Aufbruch des jungen Mädchens, das beschloss, Krankenschwester werden zu wollen. Das war Station 1, die zeigt, wie sehr sich Menschen, die über Resilienz verfügen, an ihrem Ziel orientieren können und in der Lage sind, missliche Lagen zu übertauchen oder heißt durch sie unten drunter durchzutauchen? Schließlich, Jahre später, die Entscheidung, als Journalistin zu arbeiten, eine Auszeit zu nehmen, Abschlüsse nachzuholen und ein Studium aufzunehmen.

Als Pflegekind auf dem Land, in einem Dorf mit damals 17 Häusern und 56 Einwohnern, war man Kind zweiter Klasse. Das spürte ich am eigenen Leib und wirklich bewusst in der Volksschule. Mein Pflegebruder Josef, ein dunkelhäutiges Mädchen und ich wurden einige Male in die Ecke gestellt. Sehr schnell entdeckte ich, dass ich mit Leistung den Zustand ändern konnte. Ich lernte auf Teufel komm raus.

Glaubwürdig sind diese Beschreibung, sie halten an, gern liest man weiter, erfährt von bekannten Schifahrern, wie sie sich zu ihren Leistungen motivierten und wie sie mit der Angst umgingen. Seite 188 bietet eine knackige Zusammenfassung des „Flow“, hier entpuppt sich das Buch als Leitfaden in Richtung „Erfolg haben“, in der richtigen Dosierung und sympathisch. Die Reisen, die die Autorin zu ihren GesprächspartnerInnen unternahm, sind unterschiedlich ertragreich für uns als LeserInnen. Manches Detail ist witzig, erinnert daran, dass manchmal ein Tellerwäscher ein Millionär wird oder eben auch nicht. Millionärinnen und erfolgreiche Geschäftsfrauen wie Elisabeth Gürtler prahlen nicht, erzählen von ihrer Disziplin, die sie als Unternehmerinnen auch brauchen, neben den TellerwäscherInnen in ihren Unternehmen. Der „absolute Wille“ einer Jane Goodall liest sich ebenso inspirierend wie Bemerkungen von Margot Käßmann, die mit ihrem „Jetzt will ich erst recht“ neue Wege gesucht und gefunden hat.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Motivation, Information, Lebensbilder, das Gefühl, jetzt auch gleich etwas wollen, richtig wollen zu wollen, vielleicht rausgehen, vielleicht nachdenken, wohin die Reise gehen soll.

 

Die Autorin, 1968 in Wien geboren, wuchs als Kleinkind nach dem Kinderheim bei einer Pflegefamilie in der Steiermark auf, ist heute eine bekannte Moderatorin und Journalistin und wie man gerade gelesen hat, sehr motivierende Autorin.

 

 

Claudia Reiterer:

Der Popcorneffekt.

Vom Traum zum Erfolg.

Wien: Braumüller 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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