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der Türkei: Kaisergugelhupf in Ankara
Mit österreichischen Mehlspeisen und als Designerin
ist Diana Güven (45) in der Türkei erfolgreich.

Apfeltorte, Germteigstriezel oder Marmorgugelhupf: In Dianas Backhaus werden Mehlspeisträume wahr – und das rund 1.000 Kilometer von Österreich entfernt. Vor einem Jahr hat Diana Güven in Ankara ihre Spezialitätenbäckerei mit Café eröffnet. Weil der Oberösterreicherin, die seit 25 Jahren in der Türkei lebt, die türkischen Süßigkeiten auf Dauer zu süß und zu schwer waren, begann die leidenschaftliche Köchin, alte Familienrezepte (ihr Urgroßvater war Bäcker in der k. u. k. Küche) zu verfeinern: weniger Zucker, weniger Fett, ausschließlich Bioeier und keine Emulgatoren. Die Mehlspeisen kamen bei ihren FreundInnen so gut an, dass die Idee entstand, ein Geschäft zu gründen. Heute beliefert die Unternehmerin nicht nur Bioläden und Firmen, sie will ihr Konzept auch international vermarkten.

Eigentlich ist Diana Güven von Beruf Holz- und Steinbildhauerin sowie Malerin. Im Alter von 20 Jahren verschlug sie der Zufall in die Türkei. „Ich wollte einfach in ein südliches Land.“ Im Nachhinein sieht sie es als große Chance: „Der Textilmarkt hat zu jener Zeit geboomt.“ Mit viel Interesse für Textildesign und einer großen Portion Talent gelang es ihr, die aus einer Künstlerfamilie stammt, als Designerin Fuß zu fassen. Seit 2007 arbeitet sie als Beraterin für technisches Design für ein namhaftes Textilunternehmen. „Als europäische Geschäftsfrau genießt man viel Respekt. Wichtig ist, dass man die Sprache beherrscht.“

Der Spagat zwischen Beruf und Familie verlangt viel Anstrengung und gute Organisation: Diana Güven ist seit 13 Jahren glücklich verheiratet und Mutter von zwei Söhnen (3 und 10 Jahre). „Ich versuche meine Kinder so gut es geht in meine Projekte zu involvieren, sie helfen mir etwa beim Backen.“ Wenn dringend ein Termin ansteht, springt auch einmal eine der drei Mitarbeiterinnen ein. Familie und Arbeit seien nicht wirklich trennbar. „Meine Mitarbeiterinnen sind zutiefst gläubig, sie fasten im Ramadan, aber sie akzeptieren auch meinen Glauben und sie freuen sich, wenn wir im Backhaus Weihnachten feiern“, erzählt Diana Güven.

Die Unruhen und die Proteste gegen den autoritären Regierungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdo?an während der vergangenen Monate hat sie hautnah miterlebt. Zum Teil war sie auch selbst bei den Demonstrationen dabei. „Man muss etwas tun, sonst ändert sich nichts“, ist sie überzeugt.

Der Kontakt zur ihrer Herkunftsfamilie ist Diana Güven sehr wichtig. Zweimal im Jahr kommt sie mit ihren Söhnen nach Österreich. Lebensmittelpunkt wird aber die Türkei bleiben. Schließlich muss sie ihr jüngstes Kind, „Dianas Backhaus“, großziehen.

 

Diana in der Türkei

  • Die Leute sind sehr warmherzig, sie schenken gerne, schließen schnell Freundschaft und laden gerne in ihre Häuser ein.
  • Die Frau spielt in der Familie die wichtigere Rolle, sie ist auch in der Wirtschaft sehr stark. Der Mann hat nach außen hin das Sagen.
  • In der Türkei versucht man die Probleme innerfamiliär zu lösen.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 10/2013 – von Julia Langeneder