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Deutschland: Fasziniert von Molekülen
„Welt der Frau“-Leserin Elisabeth Zinser (48) hat bereits in Südafrika und in der Türkei gelebt. Seit 15 Jahren hat sie ihren Lebensmittelpunkt in Erlangen.

Ich fühle mich als Europäerin mit österreichischen Wurzeln“, sagt Elisabeth Zinser. Mit ihrem Mann, einem Südtiroler, und ihren beiden Töchtern lebt sie in der 106.000-EinwohnerInnen-Stadt Erlangen in Bayern. Die gebürtige Oberösterreicherin arbeitet als Lebensmittel- und Biotechnologin in der Abteilung für Immunmodulation am Universitätsklinikum Erlangen. „Ich beschäftige mich mit der Rolle des Immunsystems bei der Entstehung von Krankheiten, und zwar konkret mit der Erforschung neuer Therapien, welche sowohl Autoimmunerkrankungen als auch die Abstoßung von Transplantationen verhindern können. Das langfristige Ziel dieser Arbeiten ist es, neue Behandlungsmethoden für den Menschen zu etablieren“, erklärt die Wissenschaftlerin. Mithilfe eines gentechnisch hergestellten CD83-Moleküls konnte beispielsweise das Immunsystem so moduliert werden, dass u. a. die Lähmungserscheinungen bei Multipler Sklerose in einem Tiermodell gehemmt werden konnten. „Das therapeutische Potenzial dieses Moleküls soll nun mittelfristig in klinischen Studien auch für den Menschen zugänglich gemacht werden.“

Ihre wissenschaftliche Laufbahn hat Elisabeth Zinser vor zwölf Jahren wieder aufgenommen. Grund für die Unterbrechung waren zwei Auslandsaufenthalte über die Firma Siemens, bei der ihr erster Mann beschäftigt war. Ein Jahr lang lebten sie in Johannesburg (Südafrika) und sechs Jahre in Ankara (Türkei). Dort hatte Elisabeth Zinser nicht die Möglichkeit, ihrem Beruf nachzugehen, und sie hatte auch keine Arbeitserlaubnis. „Die Rolle der Frau im Ausland ist die der begleitenden Ehefrau.“ Während der Auslandsaufenthalte war sie Hausfrau und hatte genügend Zeit für die Kindererziehung – ihre jüngere Tochter kam in Ankara zur Welt. Die Zeit im Ausland hat Elisabeth Zinser als sehr abwechslungsreich erlebt. Durch die Botschaften, die deutschen und internationalen Schulen sowie die MitarbeiterInnen der internationalen Firmen wurde die Familie schnell in die deutschsprachige Community aufgenommen.

Seit 15 Jahren lebt Elisabeth Zinser nun in Erlangen, wo die Firma Siemens ihren Sitz hat. „Erlangen ist eine multikulturelle Stadt. Auch die Schulen sind international ‚bestückt‘ und unsere Kinder sowie auch wir haben inzwischen einen netten Freundeskreis aufgebaut.“ Beruf und Familie zu vereinbaren verlangt Elisabeth Zinser jedoch viel Energie ab. Trotzdem ist sie froh, dass sie den Wiedereinstieg gewagt und auch geschafft hat. „Ich bin ganztägig berufstätig, somit ist die Zeit straff eingeteilt“, so die Biotechnologin, die ihre Freizeit gerne mit Haus- und Gartenarbeit, Yoga, Theater und natürlich mit ihrer Familie verbringt: Die ältere Tochter studiert Medizin, die jüngere wird kommendes Jahr maturieren.

Regelmäßig kommt Elisabeth Zinser auch nach Oberösterreich und besucht dort ihre Eltern und einen ihrer Brüder. Dann genießt sie die österreichischen Kaffeehäuser, die Seen und die Kochkünste (besonders das „Surbratl“) ihrer Mutter.

 

Elisabeth in Deutschland

  • Die Deutschen sind korrekter und förmlicher und „lieben“ Vorschriften. Aber man kann das nicht pauschalisieren.
  • Ich spreche nach wie vor österreichischen Dialekt, meine Kinder hochdeutsch.
  • Eine gewisse Gemütlichkeit fehlt mir manchmal.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 2/2013 – von Julia Langeneder