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Dublin: Ein Traum namens Irland
Eva-Maria Oberauer-Dum schrieb in Dublin ihren ersten Roman.

Es begann mit einem Kinofilm. „Im Namen des Vaters“ – die filmische Verarbeitung des britischen Justizskandals um die „Guildford Four“, vier unschuldig als TerroristInnen verurteilte Personen – berührte Eva-Maria Oberauer- Dum zutiefst und weckte in der damals 16-Jährigen das Interesse für den Nordirlandkonflikt und das Land überhaupt. Eine „diffuse Sehnsucht“, die sie nicht mehr losließ. Zehn Jahre später verwirklichte die Salzburgerin ihren Traum. Gemeinsam mit ihrem Mann wanderte sie nach Dublin aus. „Ich hatte bereits acht Jahre in der Werbebranche gearbeitet und das Gefühl, dass es Zeit war für eine Veränderung.“ Und auch Zeit dafür, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen: einen Roman zu schreiben. Eva-Maria kündigte ihren Job, fand eine Stelle bei Google, und das Kapitel „Irland“ konnte beginnen, mit all seinen Ecken und Kanten. Als besonders schwierig gestaltete sich die Wohnungssuche. Die Mieten sind exorbitant hoch: Für eine 70-m2-Wohnung im Zentrum von Dublin sind um die 1.600 Euro zu berappen. Inzwischen hat das Paar eine Wohnung in Dun Laoghaire gekauft, 15 Kilometer südlich von Dublin.

Insgesamt sechs Jahre lang arbeitete Eva-Maria für Google in verschiedenen Bereichen. Zuletzt war sie Managerin von Verkaufsteams im Bereich Ost- und Südosteuropa. Der Internetkonzern mit Hauptsitz in Kalifornien und Dublin als wichtigstem Standort außerhalb der Vereinigten Staaten hat in den vergangenen Jahren stark expandiert. „Als ich 2004 begonnen habe, gab es 150 Mitarbeiter, inzwischen sind es fast 3.000.“ Eva-Maria beschreibt Google als einen sehr leistungsorientierten Arbeitgeber, aber auch als sehr großzügig: „Die Mitarbeiter verdienen gut, und es gibt viele Leistungen extra, wie Gratisfrühstück, Gratismittag- und -abendessen.“ Für das Buchprojekt blieb vorerst keine Zeit. Vor vier Jahren beschloss Eva- Maria jedoch erneut, ihrem Leben eine neue Wende zu geben, und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit als freie Texterin, Übersetzerin und Schriftstellerin. 2011 erschien unter dem Pseudonym Ellen Dunne (www. ellen-dunne.com) ihr erster Roman „Wie du mir“. Im Zentrum des Thrillers steht ein IRA-Schütze, der bei einem Anschlag sein Opfer, einen Polizisten, im letzten Augenblick verschont.

Die Geschichte ist Fiktion. Im alltäglichen Leben sei der Nordirlandkonflikt aber noch immer spürbar, sagt Eva-Maria. Paramilitärische Gruppie- rungen haben aktuell wieder großen Zuspruch und es gebe auch Anschläge, doch die meisten werden zum Glück verhindert. Eva-Maria hat in Irland ihr Zuhause gefunden, auch wenn nicht alles perfekt sei. „Aber ich verzeihe dem Land auch viel.“

 

Eva-Maria in Dublin

  • Menschen in Irland sind spontan, planen nicht so viel – das liegt auch am Wetter, das sehr launisch und unberechenbar ist.
  • Spaß und Geselligkeit sind wichtig, zum Beispiel nach der Arbeit auf ein Getränk ins Pub zu gehen oder im Pub gemeinsam Sport zu schauen.
  • Iren lernt man schnell kennen, gewinnt man aber nur langsam als Freunde.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 78/2013 – von Julia Langeneder