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Johannesburg: Ohne Auto geht's nicht
„Welt der Frau“-Leserin Eva Ayres-Schwab (57) lebt seit 26 Jahren in Südafrika.

Johannesburg hat fast so viele EinwohnerInnen wie Österreich. Eva Ayres-Schwab hat in der Achtmillionenstadt ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Ihre persönliche Afrika-Geschichte beginnt aber schon viel früher.

Als junge Diplomkrankenschwester arbeitete sie drei Jahrelang in einem Spital in Sambia und lernte dort ihren Mann – er ist Brite – kennen. In Afrika, das so ganz anders ist als Europa und wo die Uhren viellangsamer ticken, fühlte sie sich sehr wohl. Dennoch kehrte sie für vier Jahrenach Österreich zurück und absolvierte eine Sonderausbildung in Intensivmedizin. Danach zog sie zu ihrem Mann nach Botswana, wo die beiden auch heirateten. Ihr Mann ist Geologe, und berufsbedingt wechselten sie nach Kapstadt. Für sieben Jahre sollte die zweitgrößte Stadt Südafrikas ihre Heimat werden. „Die Jahre in Kapstadt zählen zu den schönsten“, schwärmt Eva Ayres-Schwab. „Wir sind viel gereist, und auch meine drei Töchter, die mittlerweile 27, 24 und 21 Jahre alt sind, kamen dort zur Welt.“ Sie wuchsen zweisprachig (deutsch-englisch) auf und besuchten die Deutsche Internationale Schule in Johannesburg.

Die bis dato letzte Übersiedelung führte sie nach Johannesburg. Die Millionenstadt ist ein Schmelztiegel verschiedener Bevölkerungsgruppen und Kulturen. Die Schere zwischen  Arm und Reich geht weit auseinander. „Mittlerweile hat sich zwar auch eine schwarze Mittelklasse entwickelt, aber es gibt nach wie vor viele Arme, die in Hüttensiedlungen leben.“

Eva Ayres-Schwab arbeitet als Anästhesieschwester in einem Privatkrankenhaus. „Die Krankenhäuser sind teilweise sehr gut ausgestattet, es fehlt aber an gut ausgebildetem Personal.“ Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus kam es in den vergangenen Jahren zum sogenannten „Braindrain“: Das heißt, ÄrztInnen, Krankenschwestern, LehrerInnen und IngenieurInnen wanderten nach Australien, Kanada oder nach Europa aus, weil sie sich dort bessere Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten erwarteten. Die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat den Tourismus kräftig angekurbelt. Sport spielt überhaupt eine große Rolle. „Es gibt einweltberühmtes Rugby- und Kricketteam“, erzählt Eva Ayres-Schwab. „Sport wird sehr geliebt und auch gefördert.“ Weniger gefördert wurde lange Zeit der öffentliche Verkehr. Seit Kurzem gibt es jedoch ein Busnetz und den neu gebauten  „Gautrain“, eine Art U-Bahn. Dennoch: „Ohne Auto kann man hier nicht leben“ – auch wegen der großen Distanzen. Am meisten geht Eva Ayres- Schwab der Schnee ab: „Daher leiste ich mir seit ein paar Jahren einen Skiurlaub in Österreich mit Freunden.“

 

Eva in Johannesburg

  • Südafrika hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten der Welt. Schätzungen belaufen sich auf 30 bis 40 Prozent.
  • Typisch für Südafrika sind die „Braais“ (Grillfeste), wozu man sich mit FreundInnen und Bekannten trifft.
  • In Südafrika ist gerade Winter. Die Winter sind mild, Minusgrade gibt es selten, obwohl Johannesburg auf 1.600 Meter Höhe liegt.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 6/2013 – von Julia Langeneder