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Liechtenstein: Nie ganz ohne Heimweh
„Welt der Frau“-Leserin Sabine Hermann (43) lebt mit ihrer Familie in Liechtenstein – mit 160 Quadratkilometern eines der kleinsten Länder der Erde.

Ich bin eine waschechte Ebenseerin und wollte eigentlich nie weggehen“, schreibt Sabine Hermann in einer E-Mail. „Aber wo die Liebe hinfällt ?“ Die Liebe fiel in Neuseeland auf fruchtbaren Boden. Vor 19 Jahren, als Sabine mit ihrer Freundin Christa die Welt bereiste und ihre Zelte ausgerechnet neben Gerhard, ihrem späteren Mann, aufschlug. „Als er erzählte, er sei aus Liechtenstein, habe ich nicht einmal genau gewusst, wo dieses Land ist“, erinnert sich die heute 43-Jährige. Doch bevor sie den Zwergstaat mit nur etwa 35.000 EinwohnerInnen kennenlernen sollte, tourte sie mit Gerhard noch drei Monate durch Neuseeland und weitere drei weitere Monate durch Australien. „Als wir zurückkamen, wollte ich in Innsbruck als Krankenschwester anfangen, aber aufgrund der großen Entfernung nach Liechtenstein habe ich mich für das Liechtensteinische Krankenhaus entschieden.“

Mittlerweile lebt Sabine Hermann seit 18 Jahren mit ihrem Mann und den zwei Kindern Johanna (15) und Lorenz (13) in dem Fürstentum. Zuerst wohnten sie in der kleinsten Gemeinde Planken mit nur 360 EinwohnerInnen, seit drei Jahren leben sie in Schaan, mit 5.800 EinwohnerInnen die größte Gemeinde des Landes, wo sie sich ein Haus gebaut haben. Sabine Hermann arbeitet 15 Stunden als Religionslehrerin, darüber hinaus ist sie Lektorin und „Familienmanagerin“. „Als die Kinder noch klein waren, war ich in Vollzeit Mutter und Hausfrau. In Liechtenstein gab es damals nur acht Wochen Mutterschaftsurlaub. Dann musste man das Arbeitsverhältnis kündigen oder wieder arbeiten gehen.“ Die gebürtige Oberösterreicherin entschied sich für Ersteres, „da wir niemanden für die Kinder gehabt hätten“. Inzwischen seien Kinderbetreuungsplätze massiv ausgebaut worden. „Auch gibt es in fast allen Dörfern Tagesschulangebote mit Tagesstrukturen. Das heißt, die Kinder gehen in der allgemeinen Primarschule zur Schule und sind dann bis 17.00 Uhr von ErzieherInnen und LehrerInnen betreut.“

Viele Jahre hatte Sabine Hermann Heimweh. Obwohl ihre Mutter vor elf Jahren gestorben ist und ihr Vater seit 27 Jahren tot ist, zieht es sie immer noch mindestens alle zwei Monate „nach Hause“, wie sie sagt. Die Schwester lebt in Wien, der Bruder in Linz, und bei zwei Freundinnen im Salzkammergut, Gusti und Sonja, darf die Familie immer Urlaub machen – „dafür bin ich von ganzem Herzen dankbar. In Liechtenstein habe ich eine tolle Familie, meine Heimatverbundenheit ist aber ungebrochen“, schreibt Sabine Hermann, vor allem die Liebe zu den „Ebenseer Nationalfeiertagen“, dem Fasching. Auch heuer wird sie wieder mit der Faschingsgruppe „Bese Weiberpass“ unterwegs sein. „Und vielleicht“, sinniert sie, „gehen mein Mann und ich in der Pension nach Ebensee zurück.“

 

Sabine in Liechtenstein

  • In unserem Dorf Schaan mit 5.800 EinwohnerInnen sind Menschen aus 61 Nationen daheim.
  • Die Grundstückspreise sind extrem hoch, die Steuern sind im Vergleich zu Österreich sehr niedrig.
  • Die Kinder haben vom Kindergarten weg am Vor- und Nachmittag Unterricht, mit Ausnahme des Mittwochnachmittags, da haben alle frei.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 3/2013 – von Julia Langeneder