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Schweden:  
Donnerstags gibt's Suppe


„Welt der Frau“-Leserin Andrea Herbst verliebte sich in einem Urlaub in das Land der Elche – und lebt nun tatsächlich dort.??

Das Kapitel „Schweden“ der Familie Herbst hat damit angefangen, dass die damals vierjährige Tochter Laura wissen wollte, wie „Pettersson und Findus“ aus dem gleichnamigen Kinderbuch wirklich wohnen. „Wir haben uns ein Ferienhaus in Schweden gemietet. Und es war wie in dem Buch. Von da an hatte ich immer ein Zehnkronenstück in meinem Geldtascherl – im Aberglauben, zurückzukommen“, schildert Andrea Herbst (42).

Und tatsächlich wurde dieser Wunsch drei Jahre später Realität. Ehemann Hubert bekam einen Job bei einem schwedischen Lkw-Hersteller. Und schon standen die Möbelpacker vor ihrer Haustür in Gleisdorf, packten das gesamte Hab und Gut der Familie auf einen Lkw und verfrachteten es nach Mariefred. Ein Ort mit etwa 4.000 EinwohnerInnen, der 70 Kilometer südlich von Stockholm, am Mälaren (an Schwedens drittgrößtem Binnensee), liegt. „Eine unerhört altmodische, verschlafene Stadt mit kleinen, bunten Holzhäusern.“ Mittlerweile lebt die Familie seit vier Jahren dort und hat die neue Heimat sehr lieb gewonnen. Die endlosen Sommertage, den strahlenden Herbst und die Elche, die sich vom Apfelbaum ihr Frühstück holen. Und die dunklen Wintertage, an denen viele kleine Lampen und Kerzen das Haus erleuchten. „Das Leben hier ist ein bisschen wie in Zeitlupe. Alles hat seine Zeit und braucht auch seine Zeit. Wenn ich jemandem eine E-Mail schicke, kann es schon eine Woche dauern, bis ich eine Antwort bekomme.“ Über manche Frauenthemen, die in Österreich diskutiert werden, muss Andrea Herbst inzwischen schmunzeln. „Ein Frauenleben ist hier von ungeheurem Selbstbewusstsein geprägt. Frauen in allen Positionen, bei gleicher Qualifikation und gleichem Verdienst wie Männer. Frauen fahren gleich teure und große Autos wie Männer, sie putzen nicht, wenn sie einmal freihaben, sondern gehen ins Fitnessstudio. Geputzt wird am Samstag, wenn der Mann seinen Anteil leisten kann.“ Bei der Kinderbetreuung sind Mutter und Vater gleichermaßen eingebunden. Zudem haben Betreuungseinrichtungen großzügige Öffnungszeiten. In der Schule sind alle Materialien, Schulausflüge und auch das Mittagessen gratis. Für die Nachmittagsbetreuung ist ein kleiner Beitrag zu leisten.

In ihrer neuen Heimat hat Andrea Herbst einen beruflichen Umstieg gewagt und geschafft. Die Sonderkindergarten-Pädagogin arbeitet nun als Dekorateurin. „Sich beruflich neu zu orientieren ist hier gang und gäbe. Egal in welchem Alter. Man nimmt einen Ausbildungskredit auf und startet noch einmal neu durch. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, ob ich diese großartige Möglichkeit, mich zu verändern, auch in Österreich gehabt hätte.“

 

Andrea in Schweden

  • Jeden Donnerstag gibt es in allen Kantinen des Landes Erbsensuppe sowie Palatschinken mit Preiselbeermarmelade und Schlagobers.
  • Schweden sind immer freundlich und hilfsbereit. Sie öffnen dir immer ihre Tür, aber ganz selten ihr Herz.
  • Das größte Erlebnis ist, an einem schönen sommerlichen Sonntagmorgen mit dem Segelboot in den Stockholmer Schärengarten (Küste) hinauszufahren.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 9/2012 – von Andrea Mann