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Spanien:Zweisprachig ins Leben
Elisabeth Herrera Asencio (27) lebt in Santiago de Compostela und möchte ein Netzwerk österreichischer Familien gründen.

Ich bin auf der Suche nach österreichischen Familien, die im Ausland leben und Interesse daran haben, sich über zweisprachige Erziehung und das Leben in der neuen Heimat auszutauschen“, schreibt Elisabeth Herrera Asencio an die Redaktion von „Welt der Frau“. Seit einem halben Jahr lebt sie mit ihrem Mann, einem gebürtigen Chilenen, und der gemeinsamen eineinhalb Jahre alten Tochter Jasmin in Santiago de Compostela. Zuvor hat die AHS-Lehrerin schon einmal zwei Jahre in Spanien verbracht. Um ihre Ausbildung abzuschließen, kehrte sie jedoch wieder für drei Jahre nach Österreich zurück. Ihr Mann versuchte indes, in der Podologie (nicht ärztliche Heilkunde des Fußes) und Posturologie (alternativmedizinisches Konzept zur Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparates) Fuß zu fassen. Aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden und weil es die Österreicherin reizte, etwas Neues auszuprobieren, verlegte die Familie ihren Lebensmittelpunkt nun „defi nitiv“ nach Santiago de Compostela. Elisabeth Herrera Asencio absolviert dort das Masterstudium „Wirtscha und Innovation“ mit dem Ziel, österreichische Firmen zu betreuen, die Projekte im Ausland umsetzen wollen, und hält Deutschkurse. „Deutsch ist im Moment sehr gefragt“, weiß die Österreicherin.

Aufgrund der Wirtscha skrise und der hohen Arbeitslosigkeit (26 Prozent) träumen viele SpanierInnen vom Auswandern nach Österreich, Deutschland oder in die Schweiz. Trotz der angespannten wirtscha  lichen Situation seien die SpanierInnen sehr locker und spontan. „Es ist leicht, mit Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Santiago de Compostela beschreibt Elisabeth Herrera Asencio als internationale und dynamische Stadt. In der Altstadt sind die PilgerInnen mit ihren schweren Rucksäcken und kaputten Sandalen allgegenwärtig – „manchmal nervt das, wenn man es eilig hat“ – in der Neustadt herrscht ganz normaler Alltag. Elisabeth Herrera Asencio und ihr Mann wollen ihre Tochter zweisprachig erziehen. Die Mutter spricht konsequent Deutsch mit ihr und will ihr auch österreichische Traditionen vermitteln, das Umfeld ist Spanisch. „Zweisprachig zu erziehen klingt toll, ist aber im Alltag nicht immer einfach.“ Die Österreicherin muss o erklären, weshalb sie mit Jasmin Deutsch spricht, und fühlt sich manchmal unwohl, wenn sie sich auf dem Spielplatz mit einer fremden Sprache als Ausländerin outet. „Es ist ein Spagat zwischen dem Sich-anpassen-Wollen und Anderssein“, beschreibt sie. „Ich würde gerne wissen, wie andere das machen, und suche Bestärkung und Austausch. Ich freue mich über Kontaktaufnahme: elisabeth.herrera@gmx.at.“

Elisabeth in Spanien

  • Die Leute arbeiten ihrem Ruf zum Trotz lange und viel bei relativ geringem Einkommen.
  • Nach der Geburt gibt es 16 Wochen Kinderbetreuungsgeld. Danach ist es für Frauen normal, wieder zu arbeiten und die Kinder fremdbetreuen zu lassen.
  • Heizung in den Lokalen ist noch eine Seltenheit. Ich habe noch nie so gefroren wie in Spanien.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 12/2013 – von Julia Langeneder