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der Türkei: Aufwachen mit dem Muezzin
„Welt der Frau“-Leserin Agnes Kastner (60) lebt seit acht Jahren in der Türkei und würde sofort wieder dorthin ziehen.

Was, ihr geht in die Türkei?“ Diese Reaktion bekam Agnes Kastner oft zu hören, als sie vor acht Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in das Land am Bosporus übersiedelte. Die pensionierte Volksschullehrerin ist schon viel herumgekommen in ihrem Leben. Ihr Mann, der bei einer großen internationalen Firma arbeitet, war beruflich immer viel unterwegs, und als die beiden Kinder klein waren, lebten sie zwei Jahre in Thessaloniki (Griechenland). Danach blieb Agnes Kastner mit den Kindern in Österreich, damit diese ungestört die Schule besuchen und Freundschaften vertiefen konnten. „Mein Mann arbeitete weiterhin oft im Ausland, besuchte uns aber jedes Wochenende, oder wir reisten zu ihm.“ Mittlerweile sind die Kinder erwachsen, und weil das Paar wieder einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt finden wollte, zog Agnes Kastner vor acht Jahren mit ihrem Mann in die Türkei. Zuerst wohnten sie in der Hauptstadt Ankara, wo die Volksschullehrerin an der Schule der deutschen Botschaft unterrichtete, später übersiedelten sie nach Bursa – „eine sehr grüne Stadt, so groß wie Wien, südlich von Istanbul am Marmarameer gelegen“.

Seit Agnes Kastner in der Türkei lebt, beobachtet sie einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. „Laufend werden hier moderne Wohnanlagen, Straßen und Firmen errichtet.“ Von der Architektur ist sie oftmals begeistert, noch mehr freut sie sich jedoch über die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Menschen. Die TürkInnen seien noch viel mehr Familienmenschen, als es in Österreich üblich ist. Die Großfamilie ist sehr wichtig, und man trifft sich oft. Liegt einer im Krankenhaus, ist immer jemand von der Familie bei ihm und pflegt ihn. Die Krankenschwestern sind nur für die medizinische Betreuung zuständig.

Den Islam erlebt Agnes Kastner als sehr positiv und sozial. „Wenn man zum Beispiel im Ramadan nicht fasten möchte, kann man sich davon ‚freikaufen‘, indem man den Armen Geld oder Lebensmittel gibt. Es gehört auch zu den wichtigen Pflichten im Islam, die Armen zu unterstützen. Es gibt auch keine Kirchensteuer. Die Räume unter manchen Moscheen werden vermietet, zum Beispiel an einen Supermarkt. Mit der Miete finanziert die Moschee alles, was sie braucht.“ Den Ruf des Muezzins empfindet sie als sehr schön. Viele Männer beten täglich in den Moscheen oder zumindest am Freitag, Frauen beten mehr zu Hause.
Obwohl sich Agnes Kastner in der Türkei sehr wohlfühlt, fährt sie gerne ein paar Mal im Jahr nach Österreich, und in etwa zwei Jahren, wenn ihr Mann in Pension geht, wollen sie wieder in die Alpenrepublik zurückkehren. Aber die Türkei wird ihre zweite Heimat bleiben.

 

Agnes in der Türkei

  • Fast alle Geschäfte in der Türkei haben täglich von 9.00 bis 22.00 Uhr geöffnet, kleine Läden oft noch länger.
  • Dienstleistungen sind sehr billig. Ein Friseurbesuch kostet nur einen Bruchteil des österreichischen Preises.
  • Wegen der Hitze gibt es an den Schulen drei Monate Sommerferien, dafür gibt es während des Schuljahres wenige freie Tage.

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 5/2013 – von Julia Langeneder