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Die Autorin und Kräuterfachfrau Marlis Bader im Gespräch über Intuition – und warum sie ihr in den großen Zyklen des Lebens hundertprozentig folgt.

Was ist Intuition für Sie?
Für mich ist Intuition ein stimmiger Fluss, also Leben in einer stimmigen Bewegung. Intuition läuft über erste Impulse: In meiner Arbeit gibt es meist ein Vorgespräch, und da ist immer ein Impuls da, der aufzeigt, welchen Faden wir aufnehmen müssen. Wenn ich diesem Faden folge, ihn auswickle wie einen Wollknäuel, dann ergibt sich alles Weitere von selbst. Dann kommen stimmige Handlungen zustande, stimmige Interaktionen.

Ist Intuition eine Begabung?
Kann sein, dass es intuitivere Menschen gibt, so wie es musikalischere gibt. Aber ich glaube, dass die Intuition ein Geburtsgeschenk aller Menschen ist.

Frauen wird ja oft mehr Intuition zugesprochen als Männern.
Das ist Blödsinn. Die Ausprägung ist anders. Mein Mann spielt Schafkopf, und er sagt, Intuition sei dabei das Wichtigste: dem ersten Impuls zu folgen, auch wenn er ungewöhnlich ist. Das heißt noch lange nicht, dass es auch gut ausgeht. Aber was er gemerkt hat, und das finde ich spannend: Wenn er diesem Impuls nicht folgt, kann er davon ausgehen, dass er verliert.

Dürfen Frauen Intuition vielleicht eher ausleben als Männer?
Ganz sicher. Sie wird ihnen mehr zugestanden. Weil man Intuition mit Gefühl in Verbindung bringt. Für mich sind das aber zwei Paar Schuhe. Intuition ist natürlich ein Bauchgefühl, aber es hat nichts mit Emotionalität zu tun. Eigentlich ist Intuition ein Wissen. Ein Wissen von Stimmigkeit und richtigem Weg – und zwar für den Moment. Intuition hat für mich immer auch etwas mit Umsetzung, mit Tat zu tun. Dem Impuls zu folgen, ihm nachzugehen, darum geht’s. Natürlich braucht man dazu Vertrauen. Man muss an sich glauben. Diesem Impuls glauben. Das ist ein Verlassen des bekannten Ufers. Wenn ich zum Beispiel die Intuition habe, zum Chef zu gehen und zu sagen: „Tut mir leid, es ist nicht mehr stimmig“, das zieht ja etwas nach sich.

Wagen deshalb viele Menschen nicht, auf ihre Intuition zu hören?
Wenn ich sehe, wie Kinder heute aufwachsen, denke ich, dass da Intuition nicht gelehrt, sondern abgeschnitten wird. Warum das kulturell so passiert ist, würde ich auch gerne wissen. Aus Angst? Dem Bedürfnis nach Sicherheit? Es ist eine spannende Frage, warum wir einen Ur-Sinn, der ganz stark beim Überleben hilft, warum wir etwas, was dem Leben so förderlich und zugewandt ist, aus einer Angst heraus abschneiden,

Setzt Intuition voraus, dass man auch geschehen lassen kann?
Auf alle Fälle. Ich habe vorhin gesagt, Intuition ist Impuls und Handeln, was also das Gegenteil von Geschehenlassen wäre, aber es ist das Gleiche. Geschehen lassen heißt handeln, aber eben dem Faden entlang handeln. Der Faden rollt sich aus, oder wie man sagt, der Weg kommt auf mich zu. Ich muss mich an einer Wegkreuzung also gar nicht aktiv entscheiden. Ich muss dem Impuls folgen, wohin der erste Schritt geht, und dann kommt der Weg auf mich zu.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 09/16.

Marlies Bader,

geboren 1966 in Peiting (Oberbayern), absolvierte eine Holzbildhauerlehre in Oberammergau. Nach einem abgebrochenen Schauspielstudium war sie als freischaffende Künstlerin und Schauspielerin in Bochum, Bremen und Paris tätig. 1995 zog sie zurück in die Heimat, begann, sich mit altem abendländischem Heilpflanzenwissen zu beschäftigen und schrieb die Bücher „Räuchern mit heimischen Kräutern“ (Goldmann Verlag), „Wohnen in guter Energie“ (Kösel Verlag) und „Naturrituale zur Lebensbegleitung“ (AT Verlag). Marlis Bader gibt ihr Wissen in zahlreichen Seminaren und Fortbildungen weiter. Sie hat eine leibliche Tochter und zwei Stiefsöhne und lebt mit ihrem Mann in Peiting.

Erschienen in „Welt der Frau“ 09/16 – von Alexandra Graf