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Wenn plötzlich alles anders ist

Dabei gibt es so viele Wörter mit „U“, Ruhe und Unruhe, Treue und Untreue beispielsweise.

Katharina hat ein gutes Leben. Sie stimmt zu, dass ihre Kinder am Tag der Weltuntergangsprophezeiung, dem 21. Dezember 2012, eine Feier machen, als Jux, versteht sich. Julius, ihr Ehemann, arbeitet als Versicherungsmakler in Innsbruck, sie bleibt mit den vier Kindern im Familienhaus, am Wochenende finden sie als Familie wieder zueinander. Na ja, so ziemlich zumindest.

Schließlich hat auch sie eine interessante Tätigkeit gefunden: Sie verfasst Biographien, trifft sich mit den Interessierten, lässt sich erzählen und schreibt dann die gewünschte Textsorte. Freie Zeiteinteilung und interessante Geschichten bescheren ihr diese Stunden von Bedeutung. Arthur, ihr Schwiegervater, pflegt zu ihr eine herzlichere Beziehung als zu seinem Sohn, ein Umstand, der Katharina häufig zu denken gibt.

Dann betritt Stephanie Mangold die Bühne, eine schöne Frau, die Katharinas Können in Anspruch nehmen will. Soweit so harmlos. Doch zwischen den so schön geschriebenen vorzeigbaren Lebensseiten knirschen die Zettelchen, die von den finsteren Seiten und dunklen Stunden gern erzählen würden.

Zwielicht liegt über dem Familienglück, denn Julius hat eine Geliebte, von der er sich immer und immer wieder trennen will. Es gelingt ihm nie, zu groß ist die Anziehung, daheim ist die Freundschaft mit Katharina, seiner Gefährtin, auch die körperliche Beziehung ist in Ordnung, gut eingespielt und befriedigend, ohne Unerwartetes, aber auch ohne jeden Schrecken.

Als Katharina ihr eigenes Schicksal in Beziehung zu einer in einem sowjetischen Gulag vermissten Pianistin setzt, erkennt sie die Verstrickungen in ihrer Familie und die Lebenslügen, die sie und ihr Ehemann einander Wochenende für Wochenende auftischen und die die vier Kinder auch brav auslöffeln. Welche Bedeutung also haben Ludovica, haben Tomas, die Schattenfiguren, die nie an den Familientisch gebeten wurden? Ein Unfall in St. Johann/Tirol beschleunigt die Handlung. Er ist der Gipfel der Lügen einerseits und des zaghaften Beginns der Ehrlichkeit andererseits.

„Die Erinnerung wurde in ihm lebendig: Der kleine Julius saß da und stellte sich einen jungen Schriftsteller vor, der vor vielen Jahren von einem alten, bösen Müller gefangen gehalten wurde und der an dieser Schreibmaschine ohne U gesessen war, um einen Abenteuerroman zu schreiben.“

Judith W. Taschler: Roman ohne U
Roman
Wien: Picus 2014

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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