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...romantischer Abend...

Hand aufs Herz: Wer will wie eine Kuh in der Kuhherde sein? Ich meine, wer will immer alles so machen, wie alle anderen? Niemand! Wir möchten als einzigartige Geschöpfe wahrgenommen werden, als außergewöhnliche oder gar originell außergewöhnliche. Ich bin auch so Eine. Und darum zipft es mich an, dass sich im Februar die Romantik auf den 14. Tag des Monats zuspitzt. Nicht mit mir, dachte ich, ich will auch wieder einmal einen romantischen Abend mit meinem Helden, sicher, aber nicht auf Befehl und nicht in einem von der Werbewirtschaft vorgegebenen Zeitraster.

Ich rief also den romantischen Abend gestern aus, schlage dem Valentinstag ein Schnippchen. „Mein Tiger“, sagte ich zu meiner besseren Hälfte, „heute Abend erwartet dich eine Überraschung.“ Er hat sich ein bisschen gefürchtet bei dieser telefonischen Ankündigung, denn meine Überraschungen können durchaus ein Rohrbruch, eine Yoga-Gruppe in unserem Wohnzimmer, oder ein neues, zitronengelbes Auto sein. Ich bemühte mich vorfreudig und aufgeregt um einen schönen, gemeinsamen, romantischen Abend. Der Alltag ist ein Untier, er frisst jedes zarte Gefühl auf, wenn man ihn lässt und nicht in Schach hält! Ich deckte den Tisch liebevoll, machte eine Flasche Wein auf, räumte zur Feier des Tages alle Bügelwäsche und versieften Katzendecken aus dem Wohnzimmer, und kleidete mich lieblich.

Was soll ich sagen? Meine bessere Hälfte nahm das dargebotene Mahl freudestrahlend zu sich, kippte zwei Gläser Rotwein hinunter und schwang sich mit dem Satz „Du bist so ein lieber Schatz!“ auf die Couch. Ich räumte den Tisch ab und hörte kurz darauf Atemgeräusche, die ich dem Zweck des Abends entsprechend gerne „erotisches Ausblasen der Luft aus den sexy Lungen“ nennen würde, der Ehrlichkeit halber aber schnarchen nennen muss. Ich betrachtete meinen Langzeithasen und fühlte, wie sehr ich ihn liebe. Die Standards in der Romantik verändern sich im Laufe der Jahre. Die Liebe aber wächst, wenn man Glück hat und ein bisschen was dafür tut.

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