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Salzburger Höhenluft
„Welt der Frau“-Mitarbeiterin Franziska Lipp erkundet die schönsten Flecken ihrer Heimat Salzburg. Wer gerne wandert, ist mit ihren Almentipps bestens ausgestattet.

 

Eine kleine Farm auf
1.775 Metern

Stöcklalm - Muhr

Wer auf die Stöcklalm will, muss ein wenig Ausdauer beweisen. Zwei Wege führen auf die idyllische, 1884 erbaute Hütte vor der grandiosen Kulisse von Steinwandeck und Brandriegel. Unter zwei Stunden Gehzeit geht gar nichts: Sowohl vom Ortsteil Schellgaden nahe Muhr als auch vom Katschberg aus ist man ein Weilchen unterwegs, um die Hütte von Hans und Juliane Sampl zu erreichen. Doch dort werden Wanderer nicht nur kulinarisch reich belohnt, sondern auch tierisch begrüßt.

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Wanderer auf der Stöcklalm werden meist tierisch begrüßt.

Denn die zwei Bauersleute vom Biohof Stöcklgut in St. Michael holen ihre gesamte Menagerie den Sommer über auf die Alm. Dazu zählen neun Milchkühe, vier Schweine, die Hofkatze samt Nachwuchs, ein Hase und der Hahn samt Hühnerschar, zu der auch Berta zählt. Henne Berta mischt sich lieber unter die Leute, als einen Almspaziergang mit ihresgleichen zu unternehmen; in der Küche, im Schnittlauchbeet oder auf der Sonnenbank fühlt sie sich pudelwohl. Hans Sampls beiden Leidenschaften – der Imkerei und der Jagd – ist es zu verdanken, dass die Speisekarte lungauerisch vielfältig ist: Selbst gemachter Wildschinken findet sich darauf ebenso wie der Hochgebirgshonig seiner Bienen, die den Nektar der Almrosen vorder Hütte sammeln.

Juliane Sampl ist für die Weiterverarbeitung der Rohstoffe zuständig. Täglich werden aus der Milch Butter, Buttermilch und Käsespezialitäten hergestellt. Auch der Zirbenschnaps aus „Zirmzeischgn“ und der Vogelbeerbrand sind selbst gemacht. Das Leben auf der Stöcklalm mutet einfach an und ist es auch. Wenn es keine wirklich dringenden Dinge im Tal zu erledigen gibt, bleiben die zwei Bauersleute den ganzen Sommer auf der Hütte. Es fehlt ihnen an nichts, ganz im Gegenteil. Beim Verabschieden winkt uns Hans Sampl noch einmal zu sich und sagt: „Die Hütte ist ein Geheimtipp, der auch ein Ruheplatzerl bleiben soll.“ Also … nicht weitersagen!

Die selbst gemachten Produkte von der Stöcklalm wie Lungauer Almkäse, Schnittkäse oder Butter gibt’s auch zum Mitnehmen, solange der Vorrat reicht!

Weg vom Trubel und mitten in die Natur

Suppanalm - Thomatal

Der Anstieg von der Bundschuh-Landesstraße zur Suppanalm dauert maximal fünf Minuten. Doch das ist bei Weitem noch nicht das Beste an der urigen Sommerresidenz von Maria und Josef Prodinger. Die zwei Altbauersleute vom Suppangut in Pichl bei Mariapfarr empfangen ihre Gäste mit so viel Herzlichkeit, dass man sich auf Anhieb wohlfühlt. 30 Jahre lang war die Hütte auf 1.650 Meter Seehöhe nicht bewirtschaftet, bis die beiden im Jahr 2012 ihren Hof an Sohn Leonhard übergaben und die Sommermonate über auf die Alm zogen. Das behalten sie jetzt bei, denn das Leben in der 1828 erbauten Hütte entspricht ihren Vorstellungen ganz und gar: weg vom Trubel und mitten in der Natur.

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Auf der Suppanalm heißen Maria und Josef Prodinger aller WandrerInnen willkommen.

Die Rückbesinnung auf die Traditionen möchten die Biobauern auch ihren Gästen mitgeben. Das Brot wird mit Dinkel und Tauernroggen von den eigenen Feldern gebacken, die Bauernkrapfen würzt Maria mit einem Hauch Anis und die Schottsuppen mit wild wachsendem Schnittlauch. Den Kärntner Reindling und das Lungauer Rahmkoch stellt sie nach uralten Rezepten her.

Wer Tee bestellt, erhält einen Aufguss von wild wachsenden Almkräutern. Himmlisch schmecken auch die selbst gemachten Sirupe wie Holler-Rosenblätter oder Melisse. Die Milchverarbeitung haben Maria und Josef erst im Alter gelernt, doch inzwischen beherrschen sie das Käsen perfekt. Aus der frisch gemolkenen Milch der Kühe entstehen Butter, Buttermilch, Rahm und verschiedene Käsesorten wie Lungauer Sauerkäse oder Frischkäse.

Wer beim Melken dabei sein möchte, sollte gegen fünf Uhr abends auf der Suppanalm eintrudeln, dann marschieren die 14 Milchkühe in den selbst gebauten Melkstand im Stall. Gemolken wird ökologisch korrekt mit Wasserkraft und völlig ohne Strom. Dafür mit viel Ruhe und Hingabe. So wie es Marias und Josefs Art im Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur entspricht.

Im Suppangut in Pichl bei Mariapfarr kann auch übernachtet werden. Der Blick geht auf Forellenteich, Kapelle und eine Ruine aus dem 12. Jahrhundert.

Urige Bioschmankerln-Alm mit „Gamsblick“

Mayerlehenhütte - Hintersee

Jedes Jahr packt Lisi Matieschek das Almfieber. Anfang Mai zieht sie mit Ehemann Werner in ihre Mayerlehenhütte. Mit 14 Jahren verbrachte sie ihren ersten Almsommer auf der Hütte im Talschluss des Lämmerbachs, eingekesselt von den Gipfeln der Oster­horngruppe, ohne Telefon und Licht auf 1.036 Meter Seehöhe. Das Aggregat erzeugt nur so viel Strom, dass die neun Milchkühe gemolken werden können. Alles andere passiert händisch: das tägliche Kneten des Hefeteigs für die Bauernkrapfen oder die Verarbeitung der Almmilch zu Frischkäse und Joghurt. Auch Übernachtungsgäste sollten viel Liebe zur Ursprünglichkeit mitbringen, denn geschlafen wird auf Heu direkt über dem Kuhstall, ohne  Duschgelegenheit.

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Ohne Telefon, Strom und schlafen im Heu verspricht die Mayerlehnenhütte besondere Almromantik.

Die Mayerlehenhütte ist die einzige Hütte auf der Gruberalm, die seit 100 Jahren durchgehend von einer Familie bewirtschaftet wird. „Wir sind eine Alm für Kleinkinder und Senioren.“ Der Weg dorthin ist kurz und wenig beschwerlich; doch auch Wanderer, die von längeren Touren kommen, kehren gerne ein, schon allein wegen der Almschmankerln. Lisi Matieschek serviert nur Hausgemachtes wie Hollerkoch mit Topfennockerln, Bärlauchsuppe, Pofesen, Fleischkrapfen oder gegen Vorbestellung ein „biofaires“ Almfrühstück. Gespeist wird vor einer dramatisch schönen Kulisse mit Unterhaltungspro­gramm, denn der übermütige Gämsen­nachwuchs nutzt die bis in den Juni verbleibenden Schneefelder als Spielplatz. Also Fernglas nicht vergessen!

„Schule auf der Alm“ heißt das Kinder-, Jugend- und Gruppenprogramm auf der Mayerlehenhütte: mit Kräuterwanderung, Milchverarbeitung und mehr.

Die Texte sind dem Reiseführer von Franziska Lipp „Beste Aussichten im Salzburger Land. Von den Hohen Tauern bis ins Salzkammergut“ entnommen. Gmeiner Verlag, 14,99 Euro

Erschienen in „Welt der Frau“ 7_8/14 – von Franziska Lipp