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Schall und Rauch

Ich besitze ein kleines, selbstgebundenes Büchlein, in das ich seit meinem 16. Lebensjahr meine aktuellen Lieblingsnamen eintrage. Die Liste der Namen liest sich wie eine amüsante Chronologie meiner Lebensabschnitte und Vorlieben. Die Namen meiner Vorfahren, die biblische Phase, wohlklingende Doppelnamen, spanische Vornamen, lateinische Blumenbezeichnungen gefolgt von italienischen, indischen und traditionellen Namen. Wer hätte gedacht, dass wir bei unserem ersten Sohn uns schon in so einer frühen Phase der Schwangerschaft und ohne Konflikte auf einen gemeinsamen Lieblingsnamen einigen können würden! Michael soll unser neues Familienmitglied heißen und ich kann diesen wunderbaren Namen gar nicht oft genug aussprechen! „Michael, Michael, wann bist du endlich da, wir freuen uns so auf dich!“

Die Gründe für die Entscheidung zu einem bestimmten Vornamen sind vielfältig: Status, Familientradition, Fernweh, ein geliebter Mensch aus dem Umfeld, ein berühmtes Vorbild, Wünsche für das zukünftige Leben und Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe sind nur einige der Faktoren, die die Namensfindung beeinflussen können. Immer neue Studien tauchen auf zur Bedeutung des Namens in Bezug auf die Wahrnehmung einer Person. Einerseits kann ein Name, der sinnbildlich wie ein Schlüssel ins Schloss passt, Zugang zu sozialem Status und Aufstieg gewährleisten, andererseits ist die Kehrseite dieses Vorgangs die Diskriminierung aufgrund des Namens.

Die populärwissenschaftlichen Begriffe Kevinismus bzw. Chantalismus bezeichnen das Phänomen, dass Personen, die gewisse Namen wie Kevin oder Chantal tragen, z.B. in der Schule und am Arbeitsplatz benachteiligt werden. Ähnlich dazu lassen sich fremdenfeindliche Tendenzen aufgrund der unterschiedlichen Behandlung von Personen mit Namen, die auf vermeintlich andere kulturelle Kontexte als den eigenen hindeuten, ausmachen.

Könnten wir das Problem lösen, indem wir unseren Kindern willkürliche Kennzahlen und Buchstabenkombinationen anstatt von Namen geben um sie zu unterscheiden? „GT345AB, hast du deine Hausaufgaben gemacht?“ Ich fürchte nein, denn so wie auch die Schuluniform soziale Unterschiede und Diskriminierung nur bedingt aushebeln kann, führt auch ein derart drastischer Schritt nur bedingt zu einem unvoreingenommeneren, gleichberechtigteren Umgang. Wir können nur vor unserer eigenen Türe kehren und jeden Menschen, egal welchen Namen, welche Hautfarbe, welches Geschlecht und welche sonstige körperliche Erscheinung sie oder er hat, gleichberechtigt und gleichwertig behandeln und somit Vorurteile und stereotype Bilder entkräften.

Kommentare

One thought on “Schall und Rauch”

  1. monika sagt:

    Du hast ja so ein Glück, dass Du ein Mädchen, eine Susi geworden bist! Es stand auch „Elvis“ zur Diskussion, und „Falko“.

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