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Schau dir einfach mal deine Jeans an

Auch wenn alle Wege angeblich nach Rom führen, Papst Franziskus mutiger und sozialer auftritt als mancher Politiker in Österreich, muss man wohl hinnehmen, dass einerseits klug gedacht und geschrieben wird, andererseits banal und gierig agiert. Jeder und jede weiß, dass die 80 Euro, die eine absolute Durchschnitt-Jeans kostet, nicht gerecht zwischen Unternehmen, Handel und ArbeiterInnen verteilt werden. Fair-Jeans kaufen, eine Möglichkeit? Und was kümmert einen das, wenn man gerade 15 Jahre alt ist? Oder kümmert einen das mit 15 Jahren mehr als mit 65 Jahren, wenn man noch so richtig den James Dean geben will, wild und sexy.

Sexy – diesen Begriff verwendet Hubert Gaisbauer nicht, beim Papst wär ich mir da nicht so sicher: Er schreibt und spricht ja so, dass man ihn gut versteht, etwa im Bereich der Empfängnisverhütung. Verstehen muss man halt wollen.

Enzyklika – ein Brief an alle Menschen, die guten Willens sind, denn jeder und jede kann etwas tun, damit man unsere Erde schützen und vor noch größerem Schaden bewahren kann. Das schreibt Hubert Gaisbauer in seinem Buch, das die geniale Eleonora Leitl illustriert hat: Ein Genuss, eine Initiative und ein richtiges Hausbuch für Junge und Alte, egal, ob sie nun Jeans tragen oder nicht. Daher hier im Blog, denn die Großen haben das Geld, das Buch zu kaufen und zu verschenken, ein etwas spätes Geschenk zur Firmung, ein frühes Buch für Weihnachten oder einfach auch ein Buch, weil man die Beschenkten mag und sich selber manchmal auch.

Caro ist das Kind, an das Hubert Gaisbauer diese Briefe über einen Brief des Papstes schreibt: Der Brief und das Buch sollen die Runde machen, man soll über seine Umwelt, über seine Mitwelt reden, den Unterschied zwischen Lebewesen und Dingen bereden und begreifen.

Franz von Assisi liebte das Studieren in Büchern nicht sehr. In seiner Lebensbeschreibung heißt es, dass er nur „zuweilen“ las, dann allerdings so konzentriert, dass das Gelesene „unauslöschlich in sein Herz“ geschrieben war. Sein gutes Gedächntis ersparte ihm daher auch das Nachlesen in Büchern.

Wer den Sonnengesang kennt, kann ihn beim Lesen summen. Wer mehr über die Gedanken von „Laudato si“ wissen will, findet schnell gute, weiterführende Literatur. Vielleicht fährt man gleich mit dem Rad in die nächste Buchhandlung, isst fünf Tage kein Fleisch und begreift, dass es ernst ist und kein Geplänkel mehr hilft, wenn uns einer die Frage stellt – es muss nicht immer ein Papst sein, es könnte auch ein Kind so fragen: „Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Inspiration, Freude, Nachdenklichkeit, Bezug zu den Äußerungen von Papst Franziskus, Weltbewusstsein, Freude am Leben und am Dasein, Lust auf Veränderung und Mitgestaltung derselben.

 

Die Illustratorin: 1974 geborene Künstlerin, Absolventin der Meisterklasse für Grafik- und Kommunikationsdesign in Linz. Mehrfach ausgezeichnet sowohl für ihre Texte als auch für ihre Illustrationen, einer der ehrlichsten Menschen, die ich kenne, experimentierfreudig, neugierig, fleißig, ambitioniert und voller Wertschätzung für kluge Texte, die sie dann ebenso klug, findig und mit sehr viel Elan illustriert.

 

Der Autor: 1939 geboren, Journalist (ORF), 1967 war er Mitbegründer des Kultursenders Ö1, später u. a. Leiter der Hauptabteilung Religion.

 

 

Leonora Leitl (Ill.); Hubert Gaisbauer (Text):

Ein Brief für die Welt.

Die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus für Kinder erklärt.

Innsbruck – Wien: Tyrolia Verlag 2016.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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