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Schnell schnell

Auch im Ruhestand ist die Zeit rasch angefüllt mit Verpflichtungen, Vergnügungen, Aktivitäten jeder Art. Doch bleibt da ein gewisses Unbehagen…

Der Faktor Zeit sollte in meinem momentanen Leben eine weitaus geringere Rolle spielen als in meinem aktiven Berufsleben. Sollte er, tut er aber nicht!

Nach wie vor habe ich Mühe, pünktlich zu erscheinen, weil ich ja so viele Dinge noch schnell erledigen muss: schnell noch das Bad putzen, schnell noch Betten abziehen, schnell noch…. Der Tag ist nach wie vor zu kurz für all das, was ich mir vornehme, dafür sind die Nächte oft unendlich lang, wenn ich mich wieder einmal von einer Seite auf die andere wälze. Sollte ich eventuell einige der Aktivitäten in die Nacht verlegen, wäre das die Lösung?

Allerdings muss ich mir eingestehen, dass ich bei weitem nicht mehr so viel an einem Tag schaffe wie früher. Ich bin um vieles langsamer, brauche meine Pausen, werde schneller nervös. Wie ging sich das eigentlich alles aus? Beruf, Familie , Haupt- und Zweitwohnsitz, jedes Wochenende Einladungen für Freunde oder bei Freunden, gemeinsame Freizeitaktivitäten, Reisen, kranke Eltern betreuen,… während ich das schreibe, merke ich, wie mir jetzt noch der Atem ausgeht!

Aber das alles war so normal, es hatte ja jede/r in unserem Freundeskreis dasselbe Programm. Und trotzdem, irgendwie war es leichter sich zu treffen, gemeinsame Termine auszumachen. Heute müssen Termine weitaus längerfristig vereinbart werden unter uns Senior-Freund/innen! Da sind die einen gerade auf Abenteuerreise in der Atacama-Wüste, die anderen spielen Golf auf Teneriffa, wieder andere sind im Einsatz bei ihren Enkelkindern; alle gehen diversen sportlichen oder kulturellen Aktivitäten nach, sind abends in Kursen oder in Vereinen ehrenamtlich tätig,… Wie ich halt auch! Und obwohl ich rund um die Uhr beschäftigt bin, bleibt da so ein gewisses Unbehagen, zumindest bei mir. Es fehlt etwas, ich würde gerne auch noch eine richtige Aufgabe, eine Herausforderung, ein kleines Abenteuer in mein Leben lassen. Aber, wie gesagt, ich hab’s halt auch schon gern gemütlich!

In diesem ambivalenten Zustand befinden sich sicherlich auch andere Senioren und Seniorinnen. Wie machen die das?

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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