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Es ist ein kleines, wuseliges Etwas und fragt sich, wer es ist: „Das kleine Ich-bin-ich“. Heuer feiert es seinen 40. Geburtstag. Aus diesem Anlass möchten wir es Kindern in Russland, Weißrussland und der Ukraine schenken. Vorausgesetzt, Sie unterstützen uns dabei. Abgemacht?

„Auf der bunten Blumenwiese geht ein buntes Tier spazieren …“ – wie oft wurde dieser Buchanfang seither in Kindergärten und Familien vorgelesen und von Kindern wiederholt? Die Geschichte des kleinen Fabelwesens, das sich mit allen Tieren verwandt fühlt, obwohl es keinem gleicht und erst durch die Erkenntnis „Ich bin ich“ Selbstbewusstsein und Anerkennung findet, erlebte bisher eine Auflage von 900.000 verkauften Exemplaren in 38 Ausgaben. Es gehört zu den Bestsellern der deutschsprachigen Kinderliteratur und zum Handwerkszeug aller Kindergarten-PädagogInnen. Nicht nur in gedruckter, vorgelesener oder auswendig gelernter Form, sondern auch als (meist selbst) gebasteltes Stofftier hat es sich vielfach einen festen und wichtigen Platz in der frühen Kindheit erobert.

DIE HANDSCHRIFT ZWEIER FRAUEN
Es sind zwei große Frauen der österreichischen Kinderbuchszene nach dem Zweiten Weltkrieg, denen „Das kleine Ich-bin-ich“ zu verdanken ist: die Autorin Mira Lobe und die Illustratorin Susi Weigel. Weigel erzählte im Rahmen einer Lesung in ihrem Wohnort Bludenz in Vorarlberg einmal davon, dass die Idee zu „Das kleine Ich-bin-ich“ einer Erinnerung an die eigene Kindheit entsprang: „Wir hatten eine liebe Kinderfrau, die ich sehr gern mochte. Im hohen Alter war diese Frau etwas verwirrt und hat immer wieder gefragt: ‚Wer bin ich – ich bin ich?‘ Dieses Erlebnis hat mich nicht mehr losgelassen, und mir ist bewusst geworden, dass es Kindern auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ähnlich geht.“ Die Idee zum Buch trug sie an ihre langjährige Weggefährtin Mira Lobe heran, mit der sie insgesamt mehr als vierzig Titel herausgebracht hat. Und dann wird es – nach Auskunft von Claudia Lobe-Janz, Mira Lobes 1943 geborener Tochter – wohl so gekommen sein wie immer, wenn die beiden an einem Projekt werkten. Susi und Mira trafen sich in Wien entweder im Café Koralle in der Porzellangasse, das Weigels Eltern gehörte, oder im Wohnzimmer der Familie Lobe, wo zu den Textzeilen Illustrationsideen und erste Skizzen entstanden.

MIRA LOBE, DIE TEXTERIN
Die Lebensgeschichten der Freundinnen Lobe und Weigel sind typisch für jene Generation, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg geboren wurde und neben Migration, Armut, NS-Terror auch den Zweiten Weltkrieg erlebte, um danach mit ihren Mitteln das neue, demokratische Österreich mit aufzubauen.
Mira Lobe kam 1913 in Görlitz (heute eine Stadt an der deutsch-polnischen Grenze) als jüdisches Mädchen namens Hilde Mirjam Rosenthal zur Welt. Nach Abschluss der Textil- und Modeschule in Berlin emigrierte sie 1936 aus dem bereits nationalsozialistischen Deutschland nach Israel und heiratete den Schauspieler Friedrich Lobe, mit dem sie zwei Kinder bekam. Tochter Claudia betont, dass ihre Mutter eine sehr politische Frau war, selbst wenn man in Österreich darüber nicht gerne spricht. Auch als Autorin ging es ihr primär um Themen wie Toleranz, Gewaltlosigkeit, Verständnis für Außenseiter und Einsatz für Schwache, kurz gesagt darum, „gemeinsam eine bessere Welt zu gestalten“. Aus Unzufriedenheit über die israelische Politik gegenüber dem palästinensischen Volk reifte die Entscheidung, Israel 1950 wieder zu verlassen und nach Wien zu ziehen, wo sie – mit einer kurzen Unterbrechung, während der sie sich in Berlin aufhielt – bis zu ihrem Tod 1995 lebte. Mira Lobe erhielt viele Preise und Auszeichnungen, auch ein jährlich verliehenes Literaturstipendium des Unterrichtsministeriums ist nach ihr benannt. Sie verfasste an die hundert Bücher für jüngere und ältere Kinder, darunter so bekannte wie „Die Omama im Apfelbaum“, „Die Geschichte von Tapps“, „Der kleine Drache Fridolin“, „Das Städtchen Drumherum“ oder eben „Das kleine Ich-bin-ich“. Doch auch wenn die Geschichte des Stofftiers auf der Suche nach seiner Identität der meistverkaufte Titel Mira Lobes wurde, bezweifelt Tochter Claudia, dass ihre Mutter „Das kleine Ich-bin-ich“ als ihr wichtigstes Werk bezeichnet hätte: „Dieses Buch wird immer psychologisch als Beitrag zur Identitätsentwicklung gedeutet, der gesellschaftspolitische Aspekt, nämlich die Auseinandersetzung mit dem Fremden kommt zu kurz. Es geht doch um die Erkenntnis, dass Anderssein nichts Schlechtes ist, es geht um Akzeptanz und Integration.“ So gesehen, hätte der Mutter die 2011 erschienene mehrsprachige Ausgabe (Kroatisch, Serbisch und Türkisch) große Freude bereitet.

SUSI WEIGEL, DIE ZEICHNERIN
Illustratorin Susi Weigel wurde 1914 in Proßnitz im heutigen Tschechien geboren. Bald zog ihre Familie nach Wien, um ein Kaffeehaus zu führen. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste und arbeitete ab 1935 als Trickfilmzeichnerin, Innenarchitektin und Illustratorin, vor allem beim politisch links stehenden Kindermagazin „Unsere Zeitung“. 1952 übersiedelte sie nach Vorarlberg, zunächst nach Langen und später nach Bludenz, wo sie 1990 verstarb – nicht ohne zuvor für ihr reiches Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden zu sein. Den Angaben ihres Großneffen Andreas zufolge wird das Andenken an Susi Weigel aber erst seit wenigen Jahren bewusst gepflegt, etwa durch eine große Gedächtnisausstellung 2010 im Frauenmuseum Hittisau.
Andreas Weigel erinnert sich nur schwach an seine Großtante, etwa daran, dass sie manchmal schon am Frühstückstisch zu zeichnen begann und auch ihn in einem Buch verewigte. Und er ist grundsätzlich froh, dass durch das neue Interesse (u. a. wird demnächst in Bludenz ein Susi-Weigel-Kindergarten errichtet) die Illustratorin dem Vergessen entrissen scheint. Schließlich seien vor Jahren schon Bücher ohne ihren Namen auf dem Umschlag erschienen.

PÄDAGOGISCHE QUALITÄTSLEKTÜRE
Was ist es, das die Geschichte vom „kleinen Ich-bin-ich“ seit Jahrzehnten derart erfolgreich, ja unverzichtbar macht? Mag.a Michaela Hajszan, 42, Wiener Kinderpsychologin, Bilderbuchkennerin und Mitarbeiterin des Charlotte-Bühler-Instituts für angewandte Kleinkindforschung: „‚Das kleine Ich-bin-ich‘ ist für mich ein bedeutsames Buch, das mich seit meiner frühesten Kindheit begleitet. Respekt habe ich vor allem vor der zeitlos schönen Sprache, die lautmalerisch die Szenen schildert. Darüber hinaus ist die Quintessenz, bei aller Vielfalt einzigartig und wertvoll zu sein, so wunderbar.“ Sich selbst zu erkennen kann durchaus anstrengend sein. Identität entsteht ja immer durch das Wechselspiel des eigenen Selbstbildes – zwischen Wunsch und Wirklichkeit – und des Fremdbildes, das andere wahrnehmen. Hajszan: „Wollte man ‚Das kleine Ich-bin-ich‘ kritisch analysieren, fiele vielleicht auf, dass das Stofftier weniger durch positives Feedback – „So bist du“, „Das kannst du“ … – zu seinem Selbstbild findet als vielmehr durch Ab- und Ausgrenzungen: „Das bist du nicht“, „Zu uns gehörst du nicht“ … Letztlich ist aber entscheidend, dass es Selbstachtung und Anerkennung in seinem So-Sein findet.“
Die Erfahrung „Ich bin wertvoll, wie ich bin“ ist allen Kindern zu wünschen – schließlich ist sie die Grundlage des respektvollen Umgangs mit anderen. Dass diese Botschaft seit 40 Jahren in Gestalt des nimmermüden kleinen Ich-bin-ich in Buchform vorliegt, ist mit Sicherheit ein Grund zum Feiern. Danke Mira Lobe und Susi Weigel!

WERDEN SIE BUCHPATE WIE WIR!

Opernsängerin Anna Netrebko:
„Ich freue mich sehr, dass sich ein österreichisches Frauenmagazin um Bücher für Kinder in Russland, Weißrussland, der Ukraine und Moldawien kümmert. Das Lesen ist für die Entwicklung von Kindern eine entscheidende Voraussetzung für eine selbstbestimmte und erfolgreiche Zukunft. Dass dies über Patenschaften organisiert wird, finde ich großartig, und ich bin sicher, dass sich viele Österreicher mit mir für dieses Engagement begeistern werden.“

Dr.in Anja Appel, Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs:
„Unsere Welt ist voll mit Angeboten, sich selbst immer wieder ‚neu zu erfinden‘. Gleichzeitig erleben Menschen Sinn- und Identitätskrisen. Glücklich ist, wer sich seiner selbst sicher ist. Dazu braucht es vieles, vor allem Raum, das Eigene zu entdecken, Fragen danach zu stellen, Neues auszuprobieren. Das Buch ‚Das kleine Ich-bin-ich‘ ist ein solches Raumangebot für Kinder. Glückwunsch zu dieser Aktion!“

Dr. Franz Küberl, Präsident der Caritas Österreich:
„Bildung ist für alle Kinder wichtig. Kindern aus benachteiligten Familien hilft Bildung in besonderer Weise, der Armutsspirale zu entkommen. Und natürlich muss Bildung bei den Kleinsten anfangen. Umso besser, wenn das Lesen noch dazu so viel Spaß macht wie bei dem bezaubernden Buch ‚Das kleine Ich-bin-ich‘. Dazu ist Mira Lobes Klassiker ein beeindruckendes Plädoyer für Toleranz, Offenheit und Selbstvertrauen. Ich bedanke mich jetzt schon bei allen Buchpatinnen und Buchpaten, die diese Aktion von ‚Welt der Frau‘ und dem Jungbrunnen Verlag unterstützen. Ich bin sicher, die russischsprachigen Mädchen und Burschen in unseren Waisenhäusern, Kinderheimen und Tageszentren werden eine riesige Freude haben!“


„Das kleine Ich-bin-ich“ für russischsprachige Kinder

Generationen von Kindern haben durch „Das kleine Ich-bin-ich“ gelernt, dass es wunderbar ist, besonders zu sein. Für viele Kinder, die in Kinderheimen oder in Familien ohne Wärme aufwachsen, ist gerade das schwierig – und in Weißrussland, Russland und der Ukraine noch viel mehr. Seit vielen Jahren helfen „Welt der Frau“-LeserInnen dort Frauen und Kindern. In diesem Jahr wollen wir ein besonderes Geschenk machen. „Das kleine Ich-bin-ich“ wird auf Russisch übersetzt und mit Unterstützung der Caritas Oberösterreich und ihren Partnerorganisationen an russischsprachige Kinder verteilt. Wir helfen ihnen so, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und zuversichtliche junge Menschen zu werden.

Dazu hat die Pädagogin Anneliese Pflüglmayr Unterlagen erarbeitet, die dazu dienen, dass ErzieherInnen und PädagogInnen mit den Kindern noch mehr Spaß mit dem Buch haben können. Schulungen für Fachpersonal in den Ländern sind geplant.

Wie können Sie die Aktion unterstützen? 

Übernehmen Sie bitte eine Patenschaft für ein Buch. Mit 15,00 Euro je Buch ist das möglich. Ein Erlagschein ist dem Heft beigelegt. Oder Sie

spenden direkt: Sparkasse Oberösterreich, IBAN AT452032032100215487, BIC ASPKAT2LXXX

Kennwort:“Buchpatenschaft“.

 

Zahlreiche Kindergärten und Schulen werben für Buchpatenschaften und planen dazu eigene Aktivitäten. Danke!

Die Fachzeitschrift „Unsere Kinder“ arbeitet als Partnerin bei diesem Projekt mit.

 

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 4/2012 – von Martin Kranzl-Greinecker