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Still ruht die Seele

Faszinierende Fotos lassen im Kopf eigene Geschichten zum Bild entstehen. Kann man Ruhe und Stille ins Bild setzen? Der Salzburger Fotograf Peter Schlager kann es, ohne große Assistenz, einfach im Erkennen des Ortes in seiner Verlassenheit, in seiner Stille. Hier zeigt der Fotograf die Geschichte nach der Geschichte, den Trubel der Strandbäder, dem Leben an einigen Seen, als es dort bereits wieder still und ruhig ist.

Dabei ist das Foto gleichberechtigt neben den Texten des Salzburger Autors Christoph Janacs, kein Begleiter, kein Behübscher oder Erklärer für jene, die eilig die Geschichten und das Buchkonzept kapieren wollen. Für diesen Band braucht man Zeit, mindestens wohl 10 Minuten, dann wirkt das Bild, dann hat man einen Text gelesen. Die Stille der verlassenen Gegenstände überträgt sich auf die BetrachterInnen: Hier steht ein altes Fahrrad, dessen Klingel rostig ist, hier liegt ein blauer Plastikschuh, den niemand mehr abholt, sein linker oder rechter Partner wird woanders ruhen, vielleicht bereits im Müll gelandet sein. Wege und Stege zum See, in den Wald, rund ums Ufer: Dort sitzt eine oder einer mit einem pinken Schirm. Ein Farbkleks im monochromen Foto, das das Zurückgelassene porträtiert und damit richtig gute Geschichten erzählt.

Dann die Texte von Christoph Janacs, die sich weder vordrängen, noch die Fotos nett beschreiben wollen. Nein, die zwei Künstler arbeiten autonom, aber im Einklang des gemeinsamen Themas. Wer zuerst die Bilder genießt, hat dann die richtige Lesestimmung für die Texte, aber vielleicht gelingt es auch anders. Ein Lese- und Schaubuch, ein Band, der am Tisch liegen bleibt, weil man noch einiges nachlesen oder –schauen will. Klar, die Neunmalschlauen wollen auch wissen, um welche Seen es hier geht, ist doch auch gut. Anderen reicht es, zu schauen und sich mitnehmen zu lassen auf diese Reise in die Stille, abseits der Saison.

Nun sitze ich hier und fühle, wie die letzte Kraft aus mir weicht, ich zu einem Ding unter Dingen werde, ein stummer, bedeutunglsoser Gegenstand, ein Relikt aus einer Zeit, die bald ihr Ende gefunden haben wird, ein sinnentleertes Menetekel, dem verloren ging, wovor es hätte warnen sollen. In wenigen Tagen werden sie die neue Saison eröffnen.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Ruhe, Zurückgelassenes, Anstöße, die eigene Kamera zu suchen, Entspannung, sich selbst, einen Gedanken an ein altes Rad, Poesie, einen Bildeindex, der sich wie ein Memory spielen ließe.

 

 

Peter Schlager (Fotos),

Christoph Janacs (Text):

Off Season. Salzburg:

Pustet 2015.

 

 

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

Kommentare

One thought on “Still ruht die Seele”

  1. Emma Stern sagt:

    Ad. „Still ruht die Seele“ und Christoph Janacs / Peter Schlager:

    Des Lebens
    Lauf
    läuft
    ungefragt
    Tage der Freude, des Glücks
    der Trauer, des Leids
    verzweifeln
    kraftlos
    und ruhig geworden
    strahlt
    verborgen
    der Liebe
    unbändig lebendige
    Kraft

    (Emma Stern, 2015, für Nikolaus Hanoncourt, … und alle, die ihre Kraft verlieren in der „Schönheit des Vergehens“ W. Kappacher)

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