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Tag #10: Commendas Fazit

Sonntagmorgen in Florenz. Nach den gestrigen Gewittern ist der Himmel wieder klar, nur ein paar dekorative weiße Möchtegernwolken treiben vorbei.

Meine bewegt-entschleunigten Tage neigen sich dem Ende zu. Zeit für ein Fazit.

Meine Aha’s:

  1. Man muss nicht unbedingt langsam sein, um zu entschleunigen. Die Achtsamkeit macht den Unterschied.
  2. Man kann nicht von 100 auf 0 entschleunigen. Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut.
  3. Entschleunigen kann ganz schön stressen, wenn man sich dazu zwingt.  Ich mag es, schnell zu sein. Worum es geht, ist der Rhythmus. Immer wieder kurze Langsamkeitsimpulse setzen und danach wieder entspannt Gas geben – das scheint mir ein guter Weg zu sein.
  4. Finde heraus, was zu dir passt! Alle Wege führen nach Rom, aber nicht jeder ist für jede/n geeignet. So manche Entschleunigungsmethode macht mich richtig nervös. Und es zu übertreiben ist kontraproduktiv.

Meine guten Vorsätze:

  1. Beim Eincremen – egal ob mit Sonnencreme oder Bodylotion – meine Bewegungen verlangsamen, meine Haut bewusst wahrnehmen und mir vergegenwärtigen, dass ich gerade meinen Körper schütze, ihm Gutes tue, ihn liebkose.
  2. Beim Kochen EIN Stück Gemüse oder Obst in Zeitlupe schneiden – den Rest dafür fast forward kleinhäckseln.
  3. Wenn (negative) Gedankenspiralen in meinem Kopf kreisen, öfter mal Gelb sehen.
  4. So oft es geht nach oben schauen und dem Himmel über mir zulächeln.
  5. Jeden Tag 5 „innere“ Minuten lang abtauchen – nicht auf dem Meditationskissen, sondern mitten im Leben.

Und sonst:

  1. Ein Cappuccino im Zentrum von Rom kostet zwischen € 2,50 (Via Genova) und € 6,50 (Piazza Navona)
  2. Ein Riesensack voller Gemüse und Obst kostet am Wochenmarkt € 1, eine Packung Pflaster in der Farmacia € 7,30.
  3. Wenn jemand dir am Bahnhof bei der Bedienung des Ticketautomaten behilflich sein will, will er dafür nachher Geld sehen.
  4. In Florenz gibt es rote und blaue Hausnummern. Ein und dasselbe Haus kann zwei verschiedene Nummern haben. Verwirrend!
  5.  Wenn man nicht mehr in seine Sandalen passt, kann man durchaus pinke Sportschuhe zum roten Rock anziehen, ohne dass die Welt untergeht.
  6. Immer einen Schal bei sich zu haben, mit dem man seine Schultern bedecken kann, erspart einem nicht nur Diskussionen beim Eintritt in diverse Kathedralen, sondern auch den Kauf eines unglaublich hässlichen blauen Papierumhangs, mit dem man aussieht wie ein Chirurg auf dem Weg zum OP.
  7. Aufmunternde Kommentare via Internet tun unglaublich gut (danke euch!), eine tröstende Umarmung von meinem Liebsten können sie nicht ersetzen.

Das war es, liebe Leserin, lieber Leser. Ich hoffe, Sie ein klein wenig inspiriert zu haben. Entschleunigte Grüße und … bis zum nächsten Mal! 

 

 

2 thoughts on “Tag #10: Commendas Fazit”

  1. judith sagt:

    schade dass deine reise schon zu ende geht, liebe kirsten!
    ich hätte dich gerne länger begleitet und deine erfahrungen auf mich wirken lassen.
    weisst du, was ich mir ein paarmal gedacht habe? es passt zu punkt 4 deiner reflexionen: entschleunigen und all dieses „zu sich kommen und bei sich sein“ ist dennoch eine sehr individuelle sache. mit achtsamkeit, mut und vertrauen ist man sich selbst die beste lehrmeisterin. du hast so herrlich beschrieben, was für eine lust es ist, von dem lärm der umgebung im ebook-reader und seinen geschichten zu versinken – und um wieviel besser das ist als achtsam und aufrecht in die gegend zu starren… na ja, grins…
    für mich ist aus deiner reise jedenfalls ein (für mich faszinierendes) fazit entstanden, das sich irgendwie so anhört: wenn ich zu dem finde, was ich gerade jetzt wirklich gerne mag, worüber meine inneren anteile ins jubeln kommen, dann bin ich garantiert nicht weit weg von mir und es ist völlig egal, ob ich dabei langsam oder schnell, reflektiert oder gedankenlos, aufrecht oder gebeugt, tätig oder untätig bin.
    uups, hoffentlich sind so lange kommentare erlaubt, du siehst du bringst mich schwer ins philosophieren…
    herzlich, judith

      • liebe judith, ich sitze gerade in der westbahn nach linz, und hab zeit, meine – zum teil recht ambivalenten – erfahrungen zu sortieren, zu integrieren bzw. zu eliminieren 😉 danke, dass du das so wunderbar auf den punkt bringst! ja, das was uns lebendig macht, was uns innerlich zum jubeln bringt, auch wenn es vielleicht ein ganz stilles jubeln ist… darum geht’s. aber könnte es sein, dass viele menschen so sehr auf autopilot geschaltet haben, dass sie einen solchen zustand gar nie erleben, gar nicht spüren, was eigentlich ihres ist, weil sie gar keinen freiraum haben, sich darüber gedanken zu machen?
        übrigens: mein nachtzug von florenz nach wien meidling hatte eine panne und stand zwei stunden lang bewegunslos im nirgendwo. es war unbeschreiblich heiß im abteil und ich hatte eine migräneattacke. zum glück lese ich gerade ein buch über stoizismus und „amor fati“. die essenz: nicht nur akzeptieren, sondern LIEBEN, was ist. juhu! i’m lovin‘ it 😉 😉 😉
        liebste grüße
        layaki

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