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April 2013
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

„Bitte mag mich, wie ich bin!“

 Ich erinnere mich an meine Kindheit. Und an meine Eltern, die uns drei gefühlsmäßig gar nicht erwöhnt haben. Nun lese ich immer wieder, dass Kinder so angesprochen werden wollen, wie sie sind. Wie soll ich das las Mutter verstehen?

Jan-Uwe Rogge: Kinder brauchen das Gefühl, aufgehoben und angenommen zu sein – so wie sie sind. Sie wollen nicht vermittelt bekommen, wie man sie gerne haben möchte. Kinder wollen auch gemocht werden, wenn sie traurig, unsicher, wenn sie zornig und wütend sind. Wenn man Kinder nur dann als glückliche Wesen betrachtet, wenn sie selig lächeln, dann nimmt man sie nicht ernst. Wenn Kinder von ihren Eltern oder sie betreuenden Erwachsenen hören, sie bräuchten doch keine Angst zu haben, dann fühlen sie sich alleingelassen in ihrer Gefühlswelt. Welch Glück haben jene Heranwachsenden dagegen, die sich in solch bedrängenden Situationen in Arme schmiegen können, in Arme, die Halt und Geborgenheit geben.
Doch verlaufen Bildungs- und Erziehungsprozesse nicht widerspruchsfrei, sie sind ein Neben- und Nacheinander von wunderbarer Euphorie und schlimmer Enttäuschung, von Augenblicken voll des Glücks und Momenten tiefer Niedergeschlagenheit. Dieses Gemenge gilt es auszuhalten, denn, so der chinesische Philosoph Konfuzius: „Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“ So entsteht keine in sich stimmige, authentische Persönlichkeit, die ihre Wurzeln spürt, sondern eine, die zwar Flügel hat, aber flatterhaft daherkommt. Es gibt kein Geheimnis um das Glück, Glück ist das Ergebnis einer Beziehungsarbeit mit sich und anderen, die manchmal gelingt, aber dann auch Ergebnisse zeigt, die es auszuhalten gilt.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

„Immer kommt mir etwas dazwischen!“

Um meine vielen Aufgaben unter einen Hut zu bringen, führe ich To-do-Listen, ich trage meine Termine im Kalender ein ? und lande doch immer wieder im Chaos. Da kann ich planen, so viel und so gut ich will, es kommt immer etwas dazwischen.

Ingeborg Rauchberger: Kann es sein, dass Sie zu viel in Ihren Tag hineinpacken? Die bewährte Regel von Prof. Lothar Seiwert lautet: Man kann maximal 60 Prozent seiner Zeit verplanen. Der Rest kommt ungeplant dazu. Und auch das gilt nur, wenn Sie das Gefühl haben, selbstbestimmt über Ihre Zeit verfügen zu können. Können Sie das nicht, sind Sie zum Beispiel als Assistentin tätig, dann dreht sich die Regel um. Dann können Sie maximal 40 Prozent Ihrer Zeit verplanen. Haben Sie auch Ihre Energiekurve bedacht? Nehmen Sie bitte ein Blatt Papier. Zeichnen Sie einen waagrechten Strich. Tragen Sie ganz links die Uhrzeit ein, zu der Sie gewöhnlich aufstehen, und ganz rechts die Zeit des Zubettgehens, dann Ihren Arbeitsbeginn, die Mittagsstunde und das Arbeitsende. Nun zeichnen Sie Ihre Energiekurve. Wie verläuft sie? Sind Sie am frühen Morgen besonders fit oder zur Mittagszeit? Ein Tal am Nachmittag und dann wieder ein Hoch? Legen Sie Routinearbeiten künftig geblockt in Ihre Energietäler, z. B. E-Mails-Checken, Telefonliste abarbeiten, die Ablage. Nehmen Sie Wichtiges in den Hoch-Zeiten in Angriff, wenn Sie sich am besten konzentrieren können, und sorgen Sie für möglichst wenige Störungen.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coachin, Vortragende und Buchautorin.

 

„Die Betreung der Enkelkinder wird mir zu viel“

Die Tochter meines Mannes beansprucht uns über alle Maßen. Sie ist berufstätig, hat drei Kinder und plant uns ganz selbstverständlich in die Kinderbetreuung mit ein. Oft ist aber nichts richtig, und zudem geht meine Stieftochter recht lieblos mit ihren Kindern um. Unser Schwiegersohn flüchtet sich in die Arbeit. Wir trauen uns nicht, etwas zu sagen. Mein Mann hat immer noch Schuldgefühle, weil er damals die Familie verlassen hat. Wie soll das weitergehen?

Friederike von Tiedemann: Schuldgefühle sind keine produktiven Helfer in der Gestaltung von gelingenden Beziehungen. Ihr Mann hat damals die Familie verlassen und damit sicher der Tochter Schmerzliches zugemutet, keine Frage. Für diese Entscheidung, die er sicherlich nicht leichtfertig getroffen hat, trägt er die Verantwortung. Das heißt aber nicht, dass seine Tochter ein Leben lang einen Anspruch auf ihn erheben kann. Ihre Unterstützungsangebote in der Rolle als Großeltern sollten freiwillig und aus einem Überschuss von Kraft, Zeit und vor allem aus Freude geschehen. Wenn Ihnen aber dafür statt Dankbarkeit Kritik entgegengebracht wird und in unangemessener Weise noch der subtile Vorwurf folgt, dass Ihr Engagement ohnehin niemals genügt, dann geht das entschieden zu weit. Das Maß der Hilfeleistungen vorzudiktieren, Forderungen praktischer oder finanzieller Art zu stellen – das entspricht nicht einer respektvollen Eltern-Kind-Beziehung. Ihre Stieftochter betreibt das Aufrechterhalten einer offenen Rechnung und setzt damit das Verharren in ihrer Opferposition fort, was die Entwicklung der persönlichen Ich-Reife verhindert. Dies belastet auch Sie und Ihre Ehe, denn Geben und Nehmen sind in einer Schieflage. Zunächst müsste ihr Mann sich aus dem „Schuldturm“ befreien und, mithilfe einiger professionell geführter Gespräche, seine Position als „respektierter Vater“ zurückgewinnen. Ganz konkret würden Sie Ihre Enkelkinder nur dann betreuen, wenn Sie das selbst gerne möchten, nicht aus Pflicht. Das macht Sie unabhängiger und zufriedener.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

 

Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 4/2013 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann