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Jänner 2013
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

Darf Langeweile sein?“

 Wenn mein Sohn einfach nur herumhängt, an die Decke starrt, gedankenlos dasitzt, träumt und antriebslos wirkt, dann habe ich damit schon meine Schwierigkeiten. Wenn Kinder sich langweilen, ist das problematisch?

Jan-Uwe Rogge: So hört man häufig: Wenn man nicht antreibt, manchmal auch – wenn es denn nicht anders geht – mit Strenge, Härte und Unnachgiebigkeit, dann „tun die doch nichts“, dann verlieren sie sich im Nichtstun und Müßiggang. Das weiß man doch: „Müßiggang ist aller Laster Anfang!“
Welch Irrtum: Müßiggang ist die andere Seite des Erfolgs. Wer kennt das nicht, wenn Kinder, die etwas selbstbestimmt geleistet haben, zufrieden sind, „abschlaffen“, sich zurücklehnen, um sich im Erfolg zu sonnen. Kinder brauchen beides: die Anstrengung, die alle Kräfte erfordert, um ans Ziel zu kommen, und das Ausruhen, um die erreichte Etappe zu genießen, sich fallen zu lassen, sich – auch von selbst auferlegten Zwängen – zu befreien. Kinder brauchen Zeiten, die vorstrukturiert, die geplant sind, denen man sich hingeben muss. Aber sie brauchen zugleich Zeiten, die frei sind, Zeiten, in denen sie sich unendlich verlieren können, in denen sie Kraft schöpfen können für neue Herausforderungen, die bald anstehen werden. Wer das Ziel dem Weg unterordnet – das ist bei der extrinsischen Motivation (dabei steht der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, um einen Vorteil, z. B. eine Belohnung, zu bekommen oder Nachteile, z. B. eine Bestrafung, zu vermeiden, Anm. d. Red.) der Fall -, der behindert Entwicklung, der reduziert alles auf den Erfolg, ordnet ihm alles unter und verhindert Leben mit allen Höhen und Tiefen, mit allem Auf und Ab.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

Mein Kollege nervt mit blöden Sprüchen

Christian ist eigentlich ein witziger Typ. Manchmal nervt er mich aber auch gewaltig. Wenn ich einmal früher nach Hause gehe, dann kommen gleich so Meldungen wie: „Arbeitest du neuerdings Teilzeit?“ Anfangs habe ich ihm erklärt, dass ich etwas Wichtiges vorhabe. Dann habe ich ihn angeschnauzt, dass er auch nicht der Fleißigste sei. Aber er grinst nur.

Ingeborg Rauchberger: Was will Christian mit seinen dummen Sprüchen erreichen? Richtig, er will Sie provozieren. Er will Sie ärgern oder aus der Fassung bringen. Warum machen Sie ihm die Freude, diese Ziele immer wieder zu erreichen? Natürlich haben Sie keine Verpflichtung, sich vor einem „Scherzbold“ zu rechtfertigen. Ein Gegenangriff bringt Sie auch nicht weiter, denn schließlich wollen Sie mit Christian noch länger und möglichst friedlich zusammenarbeiten. Ihn zu ignorieren könnte das Risiko mit sich bringen, dass er sein dummes Gerede so lange verstärkt, bis Sie sich wieder provozieren lassen. Warum versuchen Sie nicht einmal etwas ganz anderes? Er will ein verärgertes Gesicht? Machen Sie das Gegenteil. Grinsen Sie. Er will Widerspruch? Machen Sie das Gegenteil. Sagen Sie: „Ja, genau!“ Und dann lassen Sie ihn stehen. So macht ihm seine Provokation viel weniger Spaß, und er wird sich andere Menschen suchen, die er besser ärgern kann.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

„Mein Mann entwertet mich“

Wenn ich mit meinem Mann in eine Diskussion gerate, geschieht es nicht selten, dass er sagt: „Das ist doch Blödsinn, was du da redest.“ Ich weiß, dass er es nicht so meint, aber es trifft mich jedes Mal. Ich verliere dann mehrere Tage den Bezug zu ihm und zu unserer Nähe. Solche Situationen belasten schon seit Jahren unsere Ehe. Ich will das so nicht mehr. Was kann ich tun?

Friederike von Tiedemann: Es mag sein, dass Ihr Mann es nicht so meint, dennoch erzeugt er mit seinem Kommunikationsstil eine verletzende Wirkung bei Ihnen, deren langfristige Auswirkung eine Ehe zerstören kann, vor allem dann, wenn es von Ihnen immer wieder geduldet wird. Innerlich werden „Rabattmarken“ geklebt, die plötzlich, als ganzes Heft eingelöst, der Beziehung die Grundlage entziehen. Das langjährige Aufsummieren kleiner Kränkungen ist der häufigste Grund für Trennungen. Es ist daher sehr verantwortlich, dass Sie sich einen respektvollen Umgang mit Ihrem Mann wünschen. Schlechte Gefühle sind kein Grund für unhöfliches Verhalten. Reden nützt in Ihrem Fall vermutlich nichts, sondern klares und ruhiges Handeln.
Ich schlage vor, wenn er Sie wieder in ähnlicher Form anspricht, nicht verbal zu reagieren, sondern ganz ruhig Ihre aktuelle Handlung zu unterbrechen und mit langsamen Schritten kommentarlos den Raum zu verlassen. Selbst wenn dann das Abendessen ausfällt. Damit machen Sie sichtbar, welche Folgen dies erzeugt, und Sie schützen sich selbst vor Entwertungen. Eingefahrene Muster benötigen eine Unterbrechung, um die Möglichkeit herzustellen, sich für destruktives Verhalten zu sensibilisieren. Sie können Ihren Mann nicht ändern, sondern haben nur Einfluss auf eigenes Verhalten. Aus dem Muster auszusteigen ist eine Option, die die Botschaft sendet: „Das tut weh, bitte so nicht – mit einer freundlichen Ansprache kannst du mich als Gesprächspartnerin haben, mit dieser Art nicht.“ Wiederholen Sie das konsequent, ohne sich auf Diskussionen einzulassen, kann dies sicher ein nachhaltiges Zeichen setzen.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

 

“Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?“

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 1/2013 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann