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Juni 2012
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

Vernünftiger Umgang mit dem PC

  Mein Sohn Leon, acht Jahre, „hängt“ ständig am Computer herum, und er hat für nichts anderes mehr Zeit. Leon geht meine „Nörgelei“ wegen des Computers ziemlich auf die Nerven. „Ich bin gut in der Schule, habe Freunde und gehe zum Fußball.“ Das stimmt schon, sagen mein Mann und ich, und trotzdem machen wir uns Sorgen, weil der Computer so sehr das Leben unseres Sohnes bestimmt.

Jan-Uwe Rogge: Je mehr die Nutzung eines Computers in ein kommunikatives Feld (Familie, Geschwister, FreundInnen) eingebunden ist, umso anspruchsvoller ist sie. Für Eltern können nachstehende Gedanken wichtig sein: Machen Sie sich bewusst, aus welchen Motiven Ihr Kind mit dem Computer spielt. „Zu viel computern“ – das Maß ist schwer zu bestimmen, entscheidend ist die Motivation, mit der ein Kind an den Computer herangeht. Wenn er zur Flucht benutzt wird, zur Selbstisolation, dann ist schon die kürzeste Computerzeit zu viel.
Kinder brauchen Unmittelbarkeit, Anschaulichkeit, Bewegung, den Kontakt zu Gleichaltrigen. Deshalb muss sich der Gebrauch des Computers dem normalen Tagesablauf des Kindes unterordnen und nicht umgekehrt.
Verbote helfen in der Regel wenig, fördern kindlichen Widerstand und Protest. Der Computerentzug fördert eher einen Trend zur heimlichen Nutzung.
Wenn Ihnen die Inhalte von Computerspielen nicht gefallen, sagen Sie dies dem Kind. Vermeiden Sie aber Moralpredigten und besserwisserische Belehrungen.
Die Kontrolle der Eltern gilt insbesondere fürs Internet. Es vermag Kinder durchaus beim Lernen zu unterstützen, aber der Zugang kann auch mit Gefahren verbunden sein. Sowohl in den Chatrooms als auch beim Treffen von Verabredungen mittels sozialer Netzwerke (Facebook) ist Vorsicht geboten! Aber auch hier bringen Verbote nichts, bleiben Sie stattdessen mit Ihrem Kind im Gespräch.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

Chaos im Büro

Ich schaffe es einfach nicht, meinen Schreibtisch halbwegs in Ordnung zu halten. Mir fehlt die Zeit, Papiere feinsäuberlich abzulegen. Einerseits bin ich stolz auf mein kreatives Chaos, andererseits vergeude ich viel Zeit mit dem Suchen. Haben Sie einen Tipp?

Ingeborg Rauchberger: ??Solange Sie stolz auf Ihr Chaos sind, haben Sie auch keine Motivation, etwas zu ändern. Halten Sie sich lieber die Nachteile vor Augen: Sie vergeuden wertvolle Zeit, die Sie für sinnvollere Arbeit (oder Freizeit!) nützen könnten. Wenn Sie überraschend ausfallen, findet sich niemand auf Ihrem Schreibtisch zurecht. ?Bereits zwei Tricks können rasch spürbare Verbesserung bringen. Schaffen Sie sich ein Hängeregistersystem an. Damit sparen Sie sich das Lochen und Ablegen in Ordnern. Überlegen Sie gut, wie Sie die Mappen so ordnen, dass Sie alles mit wenigen Handgriffen wiederfinden. Um das Chaos zu beseitigen, schließen Sie die Tür und geben Sie im Handy einen Countdown von 20 Minuten ein. Stellen Sie vier Ablagekisten und den Papierkorb auf: 1. Sofort erledigen / 2. Wird sicher gebraucht / 3. Wird vielleicht gebraucht / 4. Könnte jemand anderer brauchen / 5. Müll. Nun nehmen Sie jedes Schriftstück und entscheiden: 1. bleibt auf und 5. kommt unter den Schreibtisch. 2. kommt in die Hängeregistermappen, 4. wird sofort weitergeleitet. Dann verteilen Sie den Inhalt der 3. Kiste auf die Kisten 2 oder 4 und vor allem auf 5. Sie werden staunen, wie viel Sie in den 20 Minuten schaffen!

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

Jeden Abend läuft der Fernseher

Mein Mann kommt oft erst gegen 20.00 Uhr nach Hause. Unsere Tochter schläft meist schon, und ich freue mich auf unseren Abend. Aber nach dem Essen schaltet mein Mann den Fernseher ein, um sich zu entspannen. Ich setze mich dazu, um etwas Gemeinsamkeit zu haben. Für Gespräche ist er zu müde. Soll ich trotzdem darauf bestehen?

Friederike von Tiedemann: Viele Paare meinen, Gemeinsamkeit zu erleben, wenn sie zusammen fernsehen. Das mag stimmen, solange man sich danach über das Gesehene austauscht oder über den gemeinsam ausgewählten Film zu einem anregenden Gespräch findet. So, wie Sie die Situation beschreiben, scheint es aber keine Gemeinsamkeit zwischen Ihnen zu erzeugen, sondern dient dem Entspannungsbedürfnis Ihres Mannes. Man ist zwar zusammen im selben Raum, aber es findet keine „Ich-Du“-Begegnung statt, etwas, wonach Sie sich offensichtlich sehnen. Diese Begegnungsqualität ist ein wichtiger Nährboden für den Erhalt der Liebe und sollte deswegen nicht nur im Urlaub hergestellt werden, sondern auch im Alltag.
Sprechen Sie Ihren Mann darauf an, was Ihnen fehlt, und überlegen Sie gemeinsam, wie eine alternative Abendgestaltung aussehen kann. Vielleicht empfindet Ihr Mann es auch als erholsam, wenn Sie ein Spiel miteinander spielen oder ein Musikstück hören und sich dabei die Füße massieren oder sich gegenseitig kapitelweise ein Buch vorlesen. Damit würde ein Erleben von „Gemeinsamkeit“ ermöglicht, und Gefühle der Zuneigung könnten sich entfalten.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

 

“Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?“

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 6/2012 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann