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März 2012
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

Wenn „gute“ Worte nichts nützen

  Mein Sohn Kai, acht Jahre, überschreitet Grenzen, wo er nur kann. Sich an ihnen zu reiben, das scheint für ihn ein richtiger Sport, eine wahnsinnige Herausforderung zu sein. Mit guten Worten erreiche ich bei ihm nichts, rein gar nichts! Ich weiß nicht, was man da noch machen soll.

Jan-Uwe Rogge: Eltern wundern sich, wenn sich Kinder an den Absprachen reiben. Eltern machen das, was sie am besten können: Sie reden und reden und reden … Und treffen auf vater- und muttertaube Kinderohren. Damit werden die Eltern HauptdarstellerInnen im „Drama der guten Worte“, das aus vier Akten besteht.
Der erste Aufzug ist der „Bitte-Satz“: „Räum  b i t t e  auf!“ Oder: „Komm  b i t t e  her!“ Oder: „Lass das  b i t t e  sein!“ Eltern sagen diese Sätze unzählige Male, bis sie den Kindern zu den Ohren herauskommen – und dennoch ändert sich nichts.
Der zweite Aufzug steigert die Erwartungshaltung der Kinder. Hier fällt häufig ein Satz wie: „Muss ich’s dir noch zweimal sagen …?“ Schauen Sie in diesem Zustand mal die Kinder an. Die stehen schmunzelnd vor Ihnen, als würden sie sagen: „Ihr sagt es heute noch zehnmal und macht es dann doch alleine!“
Im dritten Akt nimmt die Lautstärke zu: „Muss ich denn erst böse werden?“, schreit der Vater oder die Mutter. Oder: „Muss ich erst laut werden?“ Blicken Sie in die Gesichter der Kinder, diese drücken aus: „Gleich gehen sie hoch wie eine Rakete!“
Im vierten Akt steht man dann neben sich. Man brüllt nahezu unkontrolliert: „Ich fahr dich nie mehr in die Schule!“ Oder: „Du kommst nie mehr mit in den Urlaub!“ Das sind Sätze, bei denen man hofft, sie würden auf der Stelle in den Mund zurückkehren.
Mein Tipp: Seien Sie authentisch! Klare Sätze – nicht zu verwechseln mit Schreien – schützen vor dem Ausflippen.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

„Ich kann nicht delegieren.“

Seit vier Monaten bin ich jetzt Abteilungsleiterin. Obwohl ich sechs MitarbeiterInnen habe, erledige ich die wichtigen Aufgaben alle selbst. Ich weiß, ich sollte mehr delegieren, aber wie geht das am besten? Sind die anderen überhaupt in der Lage, die Arbeiten genauso gut zu machen wie ich?

Ingeborg Rauchberger: Wie würde es Ihnen gefallen, wenn Ihr Chef alles an sich reißen würde? Es demotiviert gute und ambitionierte MitarbeiterInnen, wenn sie nur Routinearbeiten erledigen dürfen. Wie sollen sie lernen, Wichtiges zu schaffen, wenn Sie ihnen keine Chance dazu geben? Delegieren bedeutet Vertrauen in andere setzen, andere wachsen zu lassen – das wiederum motiviert.
Wie man gekonnt delegiert? Es ist wichtig, dass Sie die richtige Person auswählen. Ist sie unerfahren, braucht sie anfangs Anleitung und Begleitung. Geben Sie den Rahmen vor, in dem sie sich frei bewegen kann. Nennen Sie die Gründe und Ziele für die Aufgabe. Schreiben Sie die wichtigsten Punkte auf. Ermutigen Sie, zumindest anfangs, mit Fragen zu Ihnen zu kommen, damit niemand in die Irre läuft. Kontrollieren Sie zum vereinbarten Termin, ob und wie die Aufgabe erledigt wurde. Wenn Sie Änderungen wollen, stellen Sie klar, welche und warum. Und bitte vergessen Sie nicht, sich zu bedanken und gute Leistungen anzuerkennen.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

Ich brauche mehr Anerkennung!

Mein Mann ist in einer beruflichen Umbruchphase. Nach seiner Arbeitslosigkeit baut er sich nun eine selbstständige Tätigkeit als IT-Berater auf. Er ist sehr belastet, ich halte viel von ihm fern. Er beklagt sich jedoch, dass ich ihn zu viel alleinlasse und nicht unterstütze. Ich habe auch einen eigenen Beruf und komme an meine Belastungsgrenzen, will ihn aber nicht enttäuschen.

Friederike von Tiedemann: Wenn es in Paarbeziehungen Krisenzeiten gibt wie die geschilderte, dann geht das oft damit einher, dass einer mehr geben muss und der andere mehr nimmt. Diese Schieflage ist durch Anerkennen und Danken gut auszugleichen. Ihr Mann ist unter Druck, er will die Ernährerrolle wieder zurückgewinnen und braucht Ihre Unterstützung dazu. Dennoch haben auch Sie Grenzen der Belastbarkeit, und möglicherweise merkt ihr Mann gar nicht, wie viel Sie bereits zu seiner Entlastung tun. Es wäre wichtig, dass Sie ihm dies in einem ruhigen Gespräch mitteilen und aufzählen, was Sie neben den Haushaltsbelastungen von ihm fernhalten. Sie können sagen, dass Sie darin unsicher sind, ob er mitbekommt, wie Sie es vermeiden, vom letzten Streit mit ihrer Mutter zu erzählen, und dass Sie auch die Ärgernisse an Ihrem Arbeitsplatz lieber unerwähnt lassen. Teilen Sie ihm ruhig mit, dass Sie Garten- und Hausarbeit alleine erledigen und bitten Sie ihn, dies anzuerkennen und dass Ihnen ein Dank dafür wohltäte. Dann kann er wieder besser spüren, wie sehr Sie ihn unterstützen, und dies auch würdigen. Es geht also keineswegs darum, noch mehr zu tun, sondern darüber ein Bewusstsein zu schaffen, was sie bereits aus Liebe leisten.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

 

“Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?“

Dann schreiben Sie uns!  fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 3/2012 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann