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März 2013
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

Streiten vor den Kindern – Darf darf man das?“

 Unsere Kinder sind immer wieder Zeuge von Auseinandersetzungen und Streits Streiten zwischen meinem Mann und mir. Ich frage mich, ob dies schädliche Auswirkungen auf die gefühlsmäßigen Befindlichkeiten unserer heranwachsenden Kinder hat. Sollen wir vermeiden, uns vor den Kindern zu streiten?

Jan-Uwe Rogge: Kinder haben Antennen, spüren, wenn etwas zwischen ihren Eltern nicht stimmt. Da gibt es genervte Blicke zwischen den Partnern, da kündigt ein unwirsches Kopfschütteln, eine heller werdende Stimme an, dass sich bald ein heftiges Unwetter entladen wird. Und viele Kinder sind dann froh, wenn endlich wieder klare Verhältnisse herrschen. Wenn es gilt, die Folgen elterlichen Streits auf den Gefühlshaushalt des Kindes abzuschätzen, muss man sich die Auseinandersetzungen genauer anschauen. Denn Streit ist aus der Perspektive der Heranwachsenden nicht gleich Streit.
Geht es in einem Streit um eine Sache zwischen Vater und Mutter, so reagieren sie anders als bei einem Konflikt, der das Familiengefüge grundsätzlich inf Frage stellt. In den Sachkonflikten geht es um Reibereien, die sich aus dem Zusammenleben ergeben: Da ist die Mutter sauer darüber, dass der Mann Versprechungen nicht einhält oder eingehalten hat, da ist sie ungehalten darüber, dass die vereinbarte Mithilfe im Haushalt mal wieder nicht funktioniert. Da reicht dann manchmal ein kleiner Funke, dass sich eine heftige Auseinandersetzung entzündet. Der zeigt den Kindern: Auch wenn man sich manchmal fetzt, aufeinander sauer ist, mag man sich, akzeptiert man sich. Sachkonflikte zeigen den Kindern: Mal ist man sich näher, mal steht man sich distanzierter gegenüber.

 

Jan-Uwe Roggeist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

„Ich kann nicht delegieren.“

Seit vier Monaten bin ich jetzt Abteilungsleiterin. Obwohl ich sechs MitarbeiterInnen habe, erledige ich die wichtigen Aufgaben alle selbst. Ich weiß, ich sollte mehr delegieren, aber wie geht das am besten? Sind die anderen überhaupt in der Lage, die Arbeiten genauso gut zu machen wie ich?

Ingeborg Rauchberger: Wie würde es Ihnen gefallen, wenn Ihr Chef alles an sich reißen würde? Es demotiviert gute und ambitionierte MitarbeiterInnen, wenn sie nur Routinearbeiten erledigen dürfen. Wie sollen sie lernen, Wichtiges zu schaffen, wenn Sie ihnen keine Chance dazu geben? Delegieren bedeutet Vertrauen in andere setzen, andere wachsen zu lassen – das wiederum motiviert.
Wie man gekonnt delegiert? Es ist wichtig, dass Sie die richtige Person auswählen. Ist sie unerfahren, braucht sie anfangs Anleitung und Begleitung. Geben Sie den Rahmen vor, in dem sie sich frei bewegen kann. Nennen Sie die Gründe und Ziele für die Aufgabe. Schreiben Sie die wichtigsten Punkte auf. Ermutigen Sie, zumindest anfangs, mit Fragen zu Ihnen zu kommen, damit niemand in die Irre läuft. Kontrollieren Sie zum vereinbarten Termin, ob und wie die Aufgabe erledigt wurde. Wenn Sie Änderungen wollen, stellen Sie klar, welche und warum. Und bitte vergessen Sie nicht, sich zu bedanken und gute Leistungen anzuerkennen.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coachin, Vortragende und Buchautorin.

 

„Meine Schwiegereltern mögen mich nicht.“

Wir sind ein Jahr verheiratet. Mein Mann arbeitet im Familienbetrieb. Seine Eltern erwarten, dass ich auf eigene Karrierewünsche verzichte und ich mich den Normen der traditionsreichen Familie unterordne. Zu Familienfesten werde ich wegen eines winzigen, in ihren Augen unpassenden Verhaltens nicht mehr eingeladen. Mein Mann geht aus Pflichtgefühl hin, und weil er Angst um seine Position hat. Ich fühle mich von ihm verleugnet. Wie kann das unsere Ehe überstehen?

Friederike von Tiedemann: Als   Paar in der Herkunftsfamilie des Mannes so eng eingebunden zu sein, ist eine große Herausforderung für beide Partner. Einerseits möchte ihr Mann es seinen Eltern recht machen und Berufsvorteile genießen. Andererseits will er mit Ihnen ein modernes, ebenbürtiges Paarmodell leben. Das bedeutet aber, dass Sie sich von der Tradition der Schwiegereltern distanzieren. Dieser Spagat kann auf Dauer nicht funktionieren.
Vermutlich wollen Sie einmal Kinder haben, und dann werden die Einmischungen nicht weniger werden. Solange die Nähe im Lebensalltag so eng verzahnt ist wie jetzt, werden die Konfliktherde eher zunehmen.
Schauen Sie auf das, was ist, und nicht auf das, was nicht sein kann. Ihr Mann wird sich entscheiden müssen. Solidarisieren Sie sich. Sprechen Sie Zeiträume ab, für die Sie beide noch bereit sind, Zugeständnisse zu machen. Zeigen Sie ihm klar und verständlich, was über Ihre Kraft geht. Wenn er Sie nicht verlieren will, wird er die Konsequenzen ziehen müssen und sich aus der Sohn-Rolle verabschieden. Planen Sie Ihr gemeinsames Leben. Suchen Sie nach alternativen Jobmöglichkeiten und sprechen Sie über Ihre Lebensentwürfe. Bis dahin gehen Sie gemeinsam – aber nur für kurze Zeit – zu den Einladungen der Familie, und achten Sie darauf, möglichst oft eng beieinander zu stehen. Oder unternehmen Sie etwas alleine, wenn Ihr Mann absorbiert ist. Das macht Sie unabhängiger und zufriedener, solange die passende „große Lösung“ noch nicht leistbar ist.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 3/2013 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann