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November 2013
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

„Bin ich PartnerIn meiner Kinder?“

 Ich lese viel von partnerschaftlicher Erziehung. Aber Eltern und Kinder können doch keine FreundInnen sein, sie stehen nicht auf der gleichen Stufe. Was bedeutet Partnerschaftlichkeit in der Erziehung eigentlich?

Jan Uwe Rogge: Partnerschaftlichkeit in den Beziehungen zwischen Erwachsenen undKindern ist nicht gleichzusetzen mit Gleichrangigkeit, aber sehr wohl mit Gleichwertigkeit. Jesper Juul hat diesen Gedanken aufgegriffen und spricht stattdessen von Gleichwürdigkeit, die zwischen den Eltern und ihren Kindern herrschen soll. Es ist wichtig, die beiden Begriffe – Gleichwertigkeit und Gleichrangigkeit – unter dem Gesichtspunkt der Erzieherpersönlichkeit nochmals kurz zu beleuchten.

Eltern und Kinder sind nicht gleichrangig. Eltern – daraus leitet sich dieses Wort ab – sind älter als ihre Kinder. Sie verfügen überLebenserfahrungen, auf die sich die Heranwachsenden verlassen müssen. Eltern haben Erfahrungsvorsprünge gegenüber Kindern. Diese sind wichtig, sie werden allerdings dann kontraproduktiv und wirken sich belastend auf die Erziehungsbeziehungen aus, wenn sie als elterliche Besserwisserei, als Bevormundung missverstanden werden. Aber Eltern und Kinder sind gleichwertig. Das soll heißen, dass Kinder von ihren Eltern lernen – und umgekehrt: Eltern könnenvon ihren Kindern die Lebensfreude, den Humor, die Bereitschaft, nichtaufzugeben, den Willen, sich nicht mit Bestehendem zufriedenzugeben, und die Neugierde, hinter die Dinge zu schauen, lernen. Gleichwertigkeit setzt gegenseitige Achtsamkeit und gegenseitigen Respekt voraus.

„Gib Kindern Wurzeln, verleih ihnen Flügel“, so hat es Goethe einst ausgedrückt und damit darauf verwiesen: Eltern sind Wurzeln, die den Kindern Halt geben. Wie die Kinder aber wirklich wachsen, darauf haben Eltern nur begrenzt Einfluss, sind doch letztlich alle Erziehungsbemühungen unsicher in ihrer Wirkung.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

„Wir haben uns auseinander entwickelt.“

Wir haben uns vor 25 Jahren bei einem Malkurs kennengelernt, den er leitete. Mittlerweile führe ich erfolgreich eine Schule. Mein eng getaktetes Leben passt kaum noch zudem meines Mannes, der sich um Haus und Tochter kümmert. Er möchte mehr Spontanität. Obwohl er 50 ist, lebt er so gefühlsbetont wie damals und kritisiert mich zunehmend. Können wir die Kluft überwinden?

Friederike von Tiedemann: Ein Paar macht im Laufe der JahreEntwicklungsprozesse durch, in denen die jeweilige Persönlichkeit sich weiterausgestaltet. Nicht immer laufen diese Phasen parallel, was dann zu Krisen inder Beziehung führt. Ihr Mann scheint beruflich keinen hohen Anspruch an sichzu haben und möchte auch gerne an einem genussvollen Leben festhalten. Es istbeeindruckend, mit welcher Klarheit er damit seine eigenen Prioritäten setzt undWertvorstellungen über ein zufriedenes Leben von Normen loslöst.

Hingegen hatsich bei Ihnen viel geändert, indem Sie eine verantwortliche Positionübernommen haben und damit auf die Möglichkeit einer rein spontanenLebensführung verzichten müssen. Es geht nun darum, ob Sie beide jeweils daswürdigen und anerkennen können, was der andere zum gemeinsamen Leben beiträgt.Wenn die Unterschiede in der Lebensorganisation groß sind, wie in Ihrem Fall,dann bedarf es einer besonderen inneren Reife, den anderen auch weiterhin zuachten. Dazu gehört auch, zu sagen: „Du, ich danke dir, dass du immer soverlässlich für unsere finanzielle Sicherheit sorgst.“ Und Sie könnten imGegenzug anerkennen und dafür danken, dass Ihr Mann beständig dafür sorgt, dasses neben der Pflicht auch genügend lustvolle Momente in Ihrer Beziehung geben kann.Diese Unterschiede bereichern Ihre Beziehung, aber nur dann, wenn Sie diesenicht wechselseitig infrage stellen, sondern wertschätzen können.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

Firmenfeier- wo lauern die Gefahren?

Mir wurde die Aufgabe übertragen, unsere Firmenweihnachtsfeierfür mehr als sechzig Leute zu organisieren. Ich habe auch schon jede MengeIdeen. Gibt es irgendetwas, was ich besonders bedenken und was ich unbedingtvermeiden sollte?

Ingeborg Rauchberger: Überlegen Sie sichals Allererstes, was Sie mit dieser Feier erreichen wollen. Daraus ergeben sichder passende Rahmen und das ideale Programm. Und daraus erkennen Sie auch ambesten, was Sie vermeiden sollten. Hier einige reale Beispiele. Sie wollen ? …die Leute langweilen? Jede Person, die glaubt, etwas zu sagen zu haben, sollteeine Rede halten. Dazwischen bläst ein Trompeter Weihnachtslieder, dieBetriebsrätin liest aus dem Weihnachtsevangelium vor und erst dann gibt esetwas zu essen.

… dass man den Sitznachbarn bzw. die Sitznachbarin nicht versteht?Buchen Sie eine Rockband. Mit Verstärker.

… dass Neid, Missgunst und Spottdie Runde machen? Heben Sie einzelne MitarbeiterInnen in den Himmel und zählendie VersagerInnen des letzten Jahres auf. Abteilungsweise. Oder alle einzeln. …dass sich auch das letzte Krümelchen Festtagsstimmung verabschiedet? Buchen Siedie „Frech-fidelen Spitzbuben“, deren Witze die Gürtellinie nie erreichen.

…dass die Stimmung derart in den Keller saust, dass sie den ganzen Abend nichtwieder heraufkommt? Lesen Sie Briefe von Soldaten aus den Weltkriegen vor, diesich sogar über einen Tannenzapfen gefreut haben.

… dass sich die Leute sorichtig ärgern? Sorgen Sie dafür, dass das Buffet bereits leer ist, wenn die halbeBelegschaft noch in der Schlange steht. Sie glauben es vielleicht nicht, aberdas ist (für die meisten) das schlimmste Vergehen.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 11/2013 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemannhinkstock