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Oktober 2012
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

Was tun, wenn die Tochter ausrastet?

  Unsere Tochter Nora, acht Jahre, flippt regelmäßig aus. Sie flucht, trampelt, schimpft, stampft und brüllt! Wir sind ziemlich ratlos. Es ist anders als bei den Trotzanfällen früher. Aber genauso schrecklich! Was kann man da nur tun?

Jan-Uwe Rogge: Der Wutausbruch stellt eine physiologische Reaktion dar. Der ganze Körper ist beteiligt. Das Kind pumpt sich geradezu auf. Wut ist konstruktiv, weil sie von starken Spannungen befreit. Damit aber Wut nicht ins Destruktive umschlägt, muss man Kindern vermitteln, dass sich ihre Wut nicht verletzend oder schädigend gegen andere, sich selbst oder Sachen wenden darf.
Eines sollte man unterlassen: Den Wutanfall in irgendeiner Weise zu kommentieren, ihn mit Drohungen oder Bestechungen zu unterbinden oder gar zu unterbrechen. Vielleicht hilft dabei der Gedanke, dass der Wutausbruch wie der Trotzanfall nicht gegen eine Person gerichtet, sondern Ausdruck eines Spannungszustandes ist, der vom Kind zum Ausgleich gebracht werden muss.
Nicht jedes Kind reagiert darauf mit Wut. Manche lassen Dampf über ungehemmte Bewegungen und ein intensives Toben ab, andere agieren sich über unendliche Rollenspiele aus, dritte ziehen sich in eine Ecke zurück und wollen allein sein.
Wenn Kinder erleben, dass sie in ihrem hilflosen Zorn nicht abgeschoben werden, dann kann ihnen eine „Wutecke“ als produktives Ritual zwei Grundsätze vermitteln: Ich darf wütend sein, aber so, dass ich niemanden, auch mich selbst nicht, verletze. Ich werde auch dann gemocht, wenn ich vor Wut ausraste.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

Viel Arbeit, wenig Lohn

Mit Freude und Energie habe ich mich als Werbegrafikerin selbstständig gemacht. Die Aufträge bleiben nicht aus, doch finanziell komme ich kaum über die Runden. Es ist mir unangenehm, Rechnungen zu legen. Wenn ich es nach Monaten dann doch tue, folgen unerfreuliche Diskussionen, und ich muss immer nachgeben.

Ingeborg Rauchberger: Was es wiegt, das hat’s! Niemand zwingt Ihre Kunden, Ihre Leistungen in Anspruch zu nehmen. Sie tun das freiwillig und müssen Geld dafür zahlen. Wie viel das ist, sollten Sie schriftlich vereinbaren, bevor Sie loslegen. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie viel Sie für welche Leistung verlangen werden. Wie viel sind Sie bereit, nachzugeben – und unter welchen Umständen? Überlegen Sie sich immer Ihre Alternativen. Bitte geben Sie nur nach, wenn Sie davon einen Vorteil haben. Beispiel: 10 Prozent Nachlass, dafür einen Folgeauftrag. 20 Prozent Nachlass, dafür einen wertvollen Kunden auf Ihrer Referenzliste zu haben. Wie wäre es mit einer Anzahlung? Schicken Sie dem Kunden die Endabrechnung sofort nach Erbringung der Leistung! Da sind Sie ihm noch in bester Erinnerung. Er weiß, was Sie geleistet haben, und hofft auf nachhaltige Wirkung. Wenn Sie erst Monate später abrechnen, kann er sich vielleicht nicht mehr an Ihre Leistungen erinnern oder findet im Nachhinein, dass Ihre Forderung ungerechtfertigt ist. Zu Recht oder zu Unrecht. Also will er nicht mehr zahlen und verhandelt nach. Das alles können Sie sich meist durch schriftliche Vereinbarungen und zeitgerechte Rechnungslegung ersparen. Stehen Sie zu sich und Ihren Leistungen, denn wie heißt’s so schön: „Sie sind es sich wert!“

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

Mein Mann wird so schnell laut

Seit zwei Jahren ist mein Mann, 54, arbeitslos und baut sich seitdem eine neue Selbstständigkeit auf. Er war schon immer ein recht ausdrucksstarker Mensch, was ich anfangs auch mochte. Er strahlte Sicherheit aus, das zog mich an. Wir haben keine Kinder, und nun bin ich die Hauptverdienerin. Bisher haben wir die Krise gut gemeistert, nur seine Wutausbrüche ängstigen mich zunehmend. Er sagt, ich müsse damit leben, er sei nun mal so. Was kann ich tun, um gelassener zu reagieren?

Friederike von Tiedemann: Wenn ein Mann seinen Job verliert, dann bedeutet dies in der Regel einen enormen Statusverlust. Es kann so weit gehen, dass sein Selbstwert extrem darunter leidet und das emotionale Gleichgewicht für lange Zeit instabil bleibt. Ihr Mann scheint mit der Situation mutig umzugehen, und Sie haben souverän die neue Rolle der Ernährerin übernommen. Somit haben Sie zunächst beide gute Gründe, um sich gegenseitig dafür Anerkennung auszusprechen.
Die Wutausbrüche Ihres Mannes können dennoch ein Hinweis dafür sein, dass er den festen Boden noch nicht zurückgewonnen hat und sich aufgrund seines mangelnden Verdienstes geringwertig fühlt. Jedoch verstehe ich Ihre Not, denn schlechte Gefühle sind noch lange kein Grund für unhöfliches Verhalten.
Sprechen Sie in einem passenden Moment die Situation an und fragen Sie, wie es ihm mit der Situation ergeht. Zeigen Sie Interesse für sein Erleben und nehmen Sie Anteil daran, dass es sicher nicht leicht ist für Ihren Mann, so kurz vor der Rente noch einmal durchstarten zu müssen. Sagen Sie ihm auch, dass Sie darunter leiden, wenn er seine Affekte derart ungefiltert ausdrückt. Suchen Sie gemeinsam nach alternativem Verhalten, wenn der Ärger hochkocht. Vermutlich merkt Ihr Mann nicht, wie oft und wie sehr er Sie damit ängstigt, und sicher beabsichtigt er nicht diese Wirkung bei Ihnen.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

 

“Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?“

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 10/2012 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann