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Oktober 2013
Tipps unserer ExpertInnen zu Beruf, Partnerschaft, und Erziehung

Was macht Kinder glücklich?

 Man liest heute ständig über das Glück, über glückliche Kinder und Familien. Doch was bedeutet das aus der Sicht der Kinder? Oder: Was stärkt sie und macht sie glücklich?

Jan Uwe Rogge: Kinder brauchen das Gefühl, aufgehoben zu sein – so wie sie sind. Kinder wollen auch gemocht werden, wenn sie traurig, unsicher, wenn sie zornig und wütend sind. Wer Kinder nur dann als glückliche Wesen betrachtet, wenn sie selig lächeln, der nimmt sie nicht ernst. Wenn Kinder von ihren Eltern oder sie betreuenden Erwachsenen hören, sie bräuchten doch keine Angst zu haben, dann fühlen sie sich alleingelassen in ihrer Gefühlswelt. Welch Glück haben jene Heranwachsenden, die sich in bedrängenden Situationen in Arme schmiegen können, die Halt und Geborgenheit geben.

Erziehung wird häufig in einem Atemzug mit Bildung genannt, als ein Teil von Bildung, wobei Erziehung meist vorschnell auf die Anwendung von Techniken und Kompetenzen verengt wird. Doch hat Erziehung nichts mit „Ziehen“ zu tun, vielmehr mit Beziehung und Begleitung. Kinder, die sich in Beziehung wissen, die Begleitung erfahren, sind zufrieden, sind starke Heranwachsende. Sie spüren Halt, Aufgehobensein, fühlen sich sicher und angenommen, sie sind „wunschlos glücklich“, weil sie sich so geben können, wie sie sind.

Doch verlaufen Bildungs- und Erziehungsprozesse nicht widerspruchsfrei, sondern im Neben- und Nacheinander von wunderbarer Euphorie und schlimmer Enttäuschung, von Augenblicken voll des Glücks und Momenten tiefer Niedergeschlagenheit. Pech ist nicht das Gegenteil von Glück, sondern ist eine Facette davon. Glück ist das Ergebnis von Beziehungsarbeit.

Auch den Helden in den Märchen fällt nichts in den Schoß, sie ziehen aus, um sich zu bewähren, um Selbstsicherheit und innere Stärke zu gewinnen.

 

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

Warum diese endlosen Streitereien?

Wir sind glückliche Eltern einer zweijährigen Tochter. Doch gibt es viel Streit, weil sich unsere Vorstellungen über den Umgang mit ihr unterscheiden. Ich will einen geregelten Tagesrhythmus, mein Mann durchkreuzt oft spontan den Ablauf. Deshalb bin ich am liebsten mit ihr alleine. Warum sind wir so hilflos?

Friederike von Tiedemann: Wenn ein Paar zur Familie wird, bedeutet dies zumeist einen krisenhaften Übergang in der Paarentwicklung. Nicht nur die Rollen ändern sich, auch muss eine neue Balance im Dreieck gefunden werden. Bei den Eltern ist Kompromissbereitschaft nötig, denn der Alltag läuft durch das Kind enger verzahnt und verlangt einen großen Verzicht auf das eigene Leben. Hinzu kommt, dass beide Partner eine Prägung aus ihren Elternhäusern mitbringen, die wie fremde Kulturen aufeinanderprallen und verteidigt werden. Zudem wirken Schlafmangel und reduzierter Freiraum stresssteigernd und sorgen für erhöhte Spannung. Und der Anspruch, „perfekte Eltern“ sein zu wollen, schafft zusätzlichen Druck. Oft fühlen sich beide Partner hilflos, da sie die Diskrepanz zwischen dem Glücksgefühl und den Reibungen nicht aufzulösen wissen. All das lässt das Liebesgefühl eines Paares schwinden.

Wie können Sie neue Strategien entwickeln, um mit dieser Belastung klüger umzugehen? Fragen Sie Ihren Mann, wie es ihm dabei geht. Zeigen Sie Interesse für sein Erleben und nehmen Sie Anteil, dass es sicher nicht leicht ist für ihn, wenn Sie ihm vorschreiben, wie er mit der Tochter umgehen sollte. Würdigen Sie seinen Einsatz. Unterstellen Sie ihm gute Absichten und schlagen Sie Kompromisse vor: „Da kannst du es gerne mit ihr so machen, wie du es magst, und bei den Zubettgehzeiten bitte ich dich um Einhaltung meiner Planung.“ Bleiben Sie kreativ und positiv im Ton, auch wenn es mal kracht. Doch sollen nicht wertvolle Tage durch negative Stimmung überschattet werden. Darunter leidet auch Ihr Kind.

 

Friederike von Tiedemann arbeitet als Paartherapeutin und Supervisorin.

 

Hilfe, meine neue Kollegin stinkt!

Elke, die neue Kollegin, ist freundlich und hilfsbereit. Aber sie riecht nach Schweiß. Für uns KollegInnen unerträglich. Der Chef will nicht eingreifen. Mein Mann meint, ich solle dem Schrecken ein Ende bereiten und klipp und klar sagen: „Elke, du stinkst! Nimm ein Deo!“ Soll ich mir das antun?

Gut, dass Sie diesen Ratschlag nicht umgesetzt haben! Denn das hieße, die Kollegin brutal vor den Kopf zu stoßen und die Beziehung zu ihr schwer zu stören, ja vielleicht sogar die Zusammenarbeit unmöglich zu machen. Körpergeruch fällt in den Intimbereich jedes Menschen, und es will gut überlegt sein, ob und wie man dieses Thema anspricht. Wichtig ist, dass Elke das Gesicht wahren kann und kein negatives Gefühl bekommt, wenn Sie ihr gegenüberstehen. Daher gilt: Ansprechen nur unter vier Augen. Vielleicht ergibt sich in einem kollegialen Gespräch die Möglichkeit, ihr die Geschichte einer Freundin zu erzählen, die ihren starken Schweißgeruch durch das Mittel XY losgeworden ist. Wenn Elke den Wink versteht, löst sich das Problem vielleicht sogar, ohne es erwähnen zu müssen. Viele Menschen merken ihren Körpergeruch nicht. Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als direkter zu werden. Am besten, Sie wählen dafür die „Wurstsemmelmethode“. Es geht um die Wurst, aber weich verpackt: „Elke, wir schätzen dich als Kollegin und freuen uns, dass du bei uns bist.“ (Das ist die weiche Semmel.) „Doch eine Bitte haben wir: Kannst du noch mehr gegen deinen Schweißgeruch tun?“ (Das ist die Wurst: Der Ausdruck „noch mehr“ ist besser als „endlich etwas“ – und hilft Elke das Gesicht zu wahren.) Wenn sie zustimmt, kommt ein Stück weiche Semmel drauf: Sie reden über ein anderes, erfreuliches Thema.

 

Ingeborg Rauchberger arbeitet als Trainerin und Coach, Vortragende und Buchautorin.

 

Sie haben eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt?

Dann schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 10/2013 – von Jan-Uwe Rogge, Ingeborg Rauchberger, Friederike von Tiedemann