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...wovon ich träume...

Ich bin eine Träumerin. Eine ganz arge noch dazu. Ich träume die absonderlichsten, abenteuerlichsten und abgefahrensten Dinge. Wunderschöne mitunter. Aber sogar ganz schlimme. Und was die Sache mit meinen Träumen besonders brisant macht: Ich mache auch vor dem Tag nicht halt.

Zwischen nächtlichen Schnarchphasen den Alltag Revue passieren lassen, ein bisschen vom Abstürzen und Notlanden träumen, vielleicht sogar von fremden Männern (Kann man was dafür, was man träumt?), die in einem ziemlich engen T-shirt den Garten umgraben und dann ohne Dreck ins Haus zu bringen unauffällig durch das Aufwachen verschwinden…das kennen wir doch alle. Aber auch am Tag, im Wachzustand sozusagen, vor sich hin zu träumen, ist schon frech. Wo es so viele reale und wichtige Dinge zu erledigen gäbe! Sich die Zeit für einen ausführlichen Tagtraum samt Einleitung, Hauptteil und Schlusspunkt zu nehmen, ist etwas, das wir Erwachsenen uns kaum gestatten. Und darüber reden tun wir schon gar nicht. Bis auf einige wenige Figuren der Gegenwart (wie ich eben).

Dabei ist gerade der gepflegte Tagtraum ein Quell der Freude! Ich träume mir manchmal hüftlanges, gut frisiertes Haar herbei und einen Kater, der bei jedem Klogang sein Kisterl trifft. Dann wieder träume ich mir den Weltfrieden herbei, wo jeder jeden lieb hat, und niemand verletzt, gequält, geschunden, verfolgt, getötet wird. Ich träume mir Mädchen herbei, die einhängig in der Lederhose voller Dreck und Speck einen Baum hochklettern und dazu die passenden Mütter, Väter und Aufsichtspersonen, die sagen „Cool, so gehört sich das für ein Mädchen! Prima!“, während ihre Brüder Pudding kochen. Und noch so vieles mehr träume ich mir herbei in meinen Tagträumen. Die nächtlichen Träume schenkt mir mein biologisches Sein, warum auch immer. Meine Tagträume aber schenke ich mir selbst, gestalte ich selbst, und lasse ich mir durchgehen, weil ich das so will. Und ich bin sogar bereit, sie mit allen zu teilen, die auch träumen wollen, träumen können, und vielleicht sogar ihre Träume mit mir teilen. Wer weiß, ob sie dann nicht sogar eines Tages wahr werden. Auch davon träume ich.

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