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„Trauer verbindet uns alle“

Künstlerin Isabella Minichmair (44) gedenkt der Kinder, die viel zu früh verstorben sind.

Die Pfarrkirche Waldneukirchen (OÖ) gestaltete zum Gedenken an früh verstorbene Kinder das Turm- und Aussprachezimmer zu einem intimen Andachtsraum um. Warum kreierten Sie dafür extra ein Glasbild, das alle Konfessionen anspricht?
Isabella Minichmair:
Weil Trauer uns alle verbindet, unabhängig von Herkunft und Religion. Leben und Tod beschäftigen nicht nur ChristInnen. Viele Eltern, die aus Kriegsgebieten zu uns flüchten, haben ihre Kinder auf dem Weg verloren – so viele ertranken im Meer! Auch diese Mütter und Väter haben das Bedürfnis nach Gebet und Trost an einem Ort, der Schönheit, Harmonie, Stille und Hoffnung ausstrahlt. Die beiden Figuren des Glasfensters bringen dies zum Ausdruck. Sie blicken ins Diesseits und Jenseits zugleich. Wie schwer es ist, sein Kind zu verlieren, kann ich jeder Mutter nachfühlen.

Haben Sie ein Kind verloren?
Nein, aber mein Sohn erkrankte im Alter von zwei Jahren an Leukämie. Wir wussten damals nicht, ob er durchkommt, verbrachten Monate mit ihm auf der Onkologie. Diese intensive Begleitung unseres Kindes und der Kontakt zu anderen betroffenen Familien hat mich tief bewegt und geprägt.

Wagen Sie sich deshalb in Ihren Arbeiten an hochemotionale Themen heran?
Vielleicht. Sehr aufwühlend war zum Beispiel ein Fotoprojekt über Exhäftlinge aus chinesischen Zwangs- und Arbeitslagern, die die höchste Folter- und Todesrate aufweisen. Bis zu sechs Millionen Falun-Dafa-Praktizierende, TibeterInnen, ChristInnen et cetera erleben in den Arbeitslagern solches Grauen. Dabei arbeiten sie auch an Exportprodukten für Europa. Die Aufklärung über solche Menschenrechtsverletzungen ist mir wichtig. Zum Thema „Begegnungen“ eröffne ich am 27. Mai im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels eine Malereiausstellung.

www.farbebekennen.at

Seit 15 Jahren ist Dr.in Isabella Minichmair Malerin und Grafikerin. Sie ist mit einem Sounddesigner verheiratet und lebt mit ihren Söhnen (17 und 20) in Waldneukirchen. Sie liebt alte Kirchen, Theater, Klassik- und Reggae-Musik sowie chinesischen Tanz. 

Erschienen in „Welt der Frau“ 05/16 – von Petra Klikovits