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Treibsand im Getriebe

Eine Rechnung einzahlen, die Nägel endlich schneiden, den Termin beim Kinderarzt vereinbaren und zwei Schachteln entsorgen. Immerzu schweben die Buchhaltung, die Weihnachtsgeschenkeliste und der unordentliche Haushalt wie riesige Damoklesschwerter über meinem Haupt. Für jede Aufgabe, die ich erledige, kommen zwei neue dazu und die Zeit, in der ich sie erledigen könnte ist durch den kleinen Kerl, der sehr viel Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht, so rar und kostbar und auch irrsinnig flüchtig. Ich fühle mich wie ein mit tonnenweise Gepäck beladenes Lastentier, das mehr und mehr im Treibsand versinkt, je mehr ich strample und versuche, meine Dinge abseits der Babywelt auf die Reihe zu kriegen, desto tiefer versinke ich. Liebe erfahrene Eltern, bin ich ein unfähiges Würstchen? Wird das besser oder bleibt das jetzt 20 Jahre so?

Das mit der Zeit und Babys ist so eine Sache. Erst sehnt man den Moment der Geburt herbei und hat das Gefühl, dass die Sekundenzeiger eine Rauchpause nach jeder Runde um die Uhr einlegen, dann steht die Zeit sprichwörtlich still im Angesicht des atemberaubendsten Wunders, das man je erleben durfte und alles ist anders – man vergisst sogar, dass es Zeit überhaupt gibt. Einige Wochen danach arbeitet die Zeit gegen einen und verwandelt sich in ein perfides Gefüge aus Schuld und Treibsand. Abläufe abschätzen, Zeitfenster kalkulieren und Aufgaben nach Priorität staffeln – nebenbei noch die alltäglichen Sisyphos-Tätigkeiten, die den Haushalt und die Körperpflege betreffen, und obendrein die ungeplanten Dinge, die sich aus der Familie oder dem Beruf täglich ergeben.

Wenn man eine Aufgabe, die vor dem Baby in einer guten Stunde erledigt gewesen wäre, schon wochenlang mit sich herumschleppt, weil man wegen der ganzen anderen Dinge mit Deadline einfach keine Zeit findet, ist das zermürbend und frustrierend. Es hallt in meinem Geist ein Konzept nach, das ich vor einiger Zeit aufgeschnappt habe: Resilienz! Zum sprichwörtlichen Stehaufmännchen werden und die Fruststrationsgrenze erhöhen, na das wären doch schon mal zwei prima Neujahrsvorsätze!

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