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Treu wie nur ein Hund sein kann oder  Wenn Berti auf Greta wartet

Alles haben bereits ihre Meinung darüber geäußert, warum wohl eine hervorragende Autorin wie die 1966 in Salzburg geborene freie Schriftstellerin Bettina Balàka ausgerechnet einen Roman über Hunde schreibt. Genau genommen schreibt sie über die Menschen, die den Protagonisten, einen Mischlingshund, umgeben und wer kann Menschen besser beobachten als Hunde. Vielleicht Detektive, aber über die schreibt doch keine und keiner, dann schon lieber rein in die Gefühls-, Bewegungs- und Geruchswelt eines Hundes. Respekt, liebe Leserin, lieber Leser, wir sind hier weit weg von allen rührseligen Hundegeschichten, die uns zu Weihnachten oder wenn wir gerade eisig alleine sind, trösten.

Berti also, ein Mischling, der frühzeitig am Straßenrand verkauft werden soll. Auch dazu eine eigene Studie der Verkäufer und der potenziellen Käuferinnen, deren Skizze nicht jeder Studentin der Bodenkultur gefallen wird. Die Besitzer und Züchter warten zuvor aber noch bange, ob sich bei der Paarung der reinrassige Jack Russel Terrier oder doch der Straßenköter durchgesetzt hat: Berti ist schwarz, sehr schwarz und das, so meinen seine Besitzer, ist gar nicht gut für ihn. Für ihn als Verkaufsobjekt, das schon vierhundert Euro einbringen könnte, wenn doch im Osten da drüben nicht nur Gebisse, sondern auch Hundewelpen billiger sind. Wo die Bösen schachern, da warten auch schon die Guten. Berti, den keiner und keine kaufen wollte, wird auf dem Rückweg – von Westen nach Osten diesmal, die Besitzer trugen reinrassige Jogginghosen und erfüllten auch sonst das gewünschte Klischee, wunderbar Bettina Balàka! – einfach am Straßenrand ausgesetzt. Im Gegensatz zur ebenfalls rausgeschmissenen Bulldogge, die vom Fuchs gefressen wird, der seinerseits an einem Virus, der bereits im Bulldoggenfleisch steckte, getötet wird, überlebt der kleine Kerl und erobert das Herz seiner professionellen Retterin sowie deren Tochter Greta. So ist es mit den Tieren, denn auch Greta wird der kleine Hund entrissen, nur ja nicht zu viel Haustiere und zu viel Bindung.

Weiter geht die Odyssee des Mischlings, der jetzt nicht mehr Berti, nicht mehr Fekete, sondern nach der Retterin der Rettungsorganisation schlichtweg Robert Petterson heißt. Die, die ihn nun vermitteln wollen, verstehen nichts von berühmten Schauspielern, kümmern sich rührend um Hunde wie es nur Pensionisten in Österreich können. So ein Vorurteil! Geil! Nächste Station: Rocco! Hier begegnet man einem etwas irren Physiker, der eine noch irrere Mutter hatte, der Vater ist einfach nur tot. Wenn die Mutter Angst vor schwarzen Katzen hat, niemals unter einer Leiter durchgeht und im geschenkten Messerblock das bald eintretende Unglück erkennt, dann ist es gut, wenn der Bub, Marcel Lilienfeld sein Name, Physik studiert. Der spinnt zwar, aber kommt doch nach Rio de Janeiro, derweil noch ohne Hund, also ohne Bezugspunkt Fekete, Rober Petterson oder so. Marcel verliebt sich in Jacintha, erobert in seiner bescheidenen Art die Copacabana und gehört dennoch wieder zu den Verlierern. Seine Rückkehr zu Mama, sein Überleben – hauptsächlich mit unzerkautem Essensbrei im Mund beim Einschlafen – lassen einen lesend beinahe auf den Hund vergessen, denn hier tobt der Wahnsinn, der Alltagswahnsinn sozusagen. Der Sohn bemerkt Mamas Tod, weil kein Essensnachschub kommt, er dreht Rammstein und alles an Musik, was sie hasste, laut und ruft nach einigen Irrungen die Polizei. Auftritt für den Hund: Wieder erobert der Köter ein Herz. Und darum geht es in diesem Roman: Um das ungeschützte Herz, das wartet, das sehnt und das viel Platz für kleine, schwarze Welpen hat, egal wie edel sie auch sein mögen.

Bettina Balàka: Unter Menschen
Roman
Innsbruck: Haymon 2014

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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