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Über den Schmerz

Im siebten Monat angelangt fühle ich mich so gut wie nie zuvor in der Schwangerschaft. Die verschiedenen Wehwechen und Unpässlichkeiten der letzten Wochen kann ich mittlerweile gut zuordnen. Wenn es wo drückt, zieht oder brennt gelingt es mir meistens die Ursache zu lokalisieren und immer mehr bekomme ich das Gefühl, dass mein Körper hervorragend mit dem Programm „Schwangerschaft“, gesteuert durch meinen inneren Autopiloten, funktioniert. Die neue Leibesfülle führt zwar besonders bei sportlichen Höchstleistungen, wie Stiegensteigen oder mit einer schweren Handtasche bestückem Bergaufmarschieren, zu Atemnot und Schweißausbrüchen, aber was soll’s, ich fühle mich pudelwohl und das gehört für mich einfach dazu.

Eine Frage beschäftigt mich im Moment allerdings sehr. Wie stehe ich zu Geburtsschmerzen und deren vermeintlicher Notwendigkeit?

Kulturhistorisch betrachtet wurde Schmerz allgemein in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen unterschiedlich bewertet. Der Schmerz als Bestrafung Gottes, als Aufgabe, die es zu meistern gilt, als zu vermeidendes Übel oder als Sinnstifter. In unserer Gesellschaft gilt Schmerz grundsätzlich als etwas, das es zu vermeiden gilt. „Schmerzfreie Geburt“ ist ein oft verwendeter Begriff. Dennoch gibt es Tendenzen den Geburtsschmerz als etwas Gutes und Nützliches anzunehmen. Auf der einen Seite wird der Geburtsschmerz sogar als etwas Notwendiges, etwas, das wie ein Übergangsritus und als Tor zu einer neuen Welt gesehen wird, behandelt, andererseits wird suggeriert, dass jede schmerzhafte Regung bereits eine zu viel sei und dass man als Patientin unbedingt absolute Schmerzfreiheit anstreben soll.

Ich habe mir noch keine endgültige Meinung über dieses Thema gemacht und bin gespannt auf den Geburtsvorbereitungskurs und Gespräche mit Freundinnen, um mir ein genaueres Bild zu machen, was mich erwarten könnte und welche Grenzen ich ziehen werde. Wahrscheinlich kommt es trotzdem ganz anders, als ich mir das ausmale und es hat bestimmt einen Grund, warum so viele Frauen die Geburt als etwas im wahrsten Sinne Unvorstellbares bezeichnen.

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