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Über Sprache und den menschlichen Verstand

Aristoteles charakterisierte Sprache als „Laut mit Bedeutung“, Noam Chomsky dreht die Priorität dieser Formulierung um und philosophiert darüber, dass Sprache als „Bedeutung mit Laut“ zu verstehen sei. Chomsky hat sich stets vehement gegen behavioristische Sprachtheorien gewandt, so geht er auch in dieser Abhandlung klar davon aus, dass Sprache nicht durch Stimulus-Response-Interaktion entstehe bzw. gebildet werde, sondern führt zu zwei Operationen hin, der Externen und der Internen Verknüpfung. Wenn wir wissen und anerkennen, dass Sprache seit 2500 Jahren erforscht wurde und noch immer keine eindeutige Antwort vorliegt, was Sprache eigentlich ist, lesen wir mit Begeisterung weiter.

Chomsky differenziert die I-Sprache – intern, individuell und intensional – von der E-Sprache wie extern. Denken wir an Ferdinand de Saussure, für den Sprache ein „Schatz“ von Wortbildern in den Köpfen der Angehörigen der Gemeinschaft bedeutet: Es muss zu dessen Verwendung eine Form von Vereinbarung zwischen den einzelnen SprecherInnen bestehen, in welcher Form sie diesen Schatz verwenden. Ist Sprache also ein hörbares Zeichen des Denkens? Dem Gebrauch von Sprache wohnt ein kreativer Charakter inne: Grenzenlos innovativer Sprachgebrauch, Ausdruck von Empfindungen, Artikulation von Gedanken, die in anderen Gedanken hervorrufen, die selbst zu denken in der Lage gewesen wären. Bleiben wir bei Wilhelm von Humboldts Aphorismus, nach dem Sprache durch die unendliche Verwendung endlicher Mittel gekennzeichnet ist und lesen wir immer weiter und weiter über Sprachschätze, Semantik und Pragmatik.

Aber wir Menschen sind natürlich soziale Geschöpfe, und welche Art von Wesen wir werden, hängt entscheidend von den gesellschaftlichen, kulturellen und institutionellen Bedingungen unseres Lebens ab. Wir sollten uns daher fragen, welche gesellschaftlichen Einrichtungen den Rechten und dem Wohlergehen der Menschen sowie der Erfüllung ihrer berechtigten Wünsche – kurz, dem Gemeinwohl – zuträglich sind. (S. 133)

 

 

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Interesse an Linguistik zu entdecken, über Sprache zu philosophieren und über das Gemeinwohl nachzudenken, anspruchsvolle Lektüre, Bezüge zur Gegenwart und zum Gemeinwohlgedanken.

 

Der Autor: Jahrgang 1928, ist emeritierter Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology – und das ist wirklich nur der Anfang, schließlich ist hier von einem der berühmtesten Philosophen und Sprachwissenschaftler der Gegenwart die Rede; Chomsky gilt als der Begründer der modernen Linguistik und als einer der Gründerväter der Kognitionswissenschaften.

 

 

Noam Chomsky:

Was für Lebewesen sind wir?

Aus dem Amerikanischen von Michael Schiffmann.

Berlin: Suhrkamp 2016.

248 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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