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Übergangsriten und Selbstinszenierungen

Ich feiere gerne und lasse mich gerne feiern. Meine Partys sind legendär und sorgen nach Jahren noch immer für heiteren Gesprächsstoff. Erfreuliche Ereignisse und erreichte Ziele sind meistens der Anlass für diese Festivitäten, aber auch das Feiern um des Feierns willen steht bei mir hie und da hoch im Kurs. Ich habe vor allem bei größeren Veränderungen in meinem Leben das starke Bedürfnis ein Fest auszurichten und im Kreis meiner Lieblingsmenschen zu sein.

Vereinfacht gesehen könnte man sagen: das Leben in unserem Kulturkreis besteht von Geburt bis zum Tod aus einer Aneinanderreihung von zelebrierten Übergangsriten von einer Lebensphase zur nächsten. Meine Geburt, Taufe, die ersten Geburtstage, Schuleintritt, Erstkommunion, die erste Menstruation, Debütantinnenball, Führerschein, Volljährigkeit, Matura, Studienbeginn, die erste Wohnung, Verlobung, Studienabschluss, Hochzeit, runde Geburtstage, Schwangerschaft und bald auch die Geburt meines ersten Kindes. All diese Ereignisse sind und waren begleitet von inszenierten Feierlichkeiten mit zum Teil stark ausgeprägtem rituellen Charakter, wie z.B. die Taufe oder die Studienabschlusszeremonie.

Besonders jetzt in der Zeit der Schwangerschaft habe ich große Lust, auch dieser Veränderung mit Feiern und Ritualen zu begegnen. Ich stehe gerne im Mittelpunkt und genieße die ungeteilte Aufmerksamkeit, das ist kein Geheimnis. Dennoch glaube ich, dass mehr hinter meinem ausgeprägten Wunsch steckt, große Veränderungen in meinem Leben mit den Menschen rituell zu zelebrieren, die mir am meisten bedeuten. Ich liebe es mich zu verändern, mich vollkommen neu zu erfinden. Jeder Morgen birgt das Potential, dass ich meine alte Hauthülse abstreifen und hinter mir lassen kann. Ich bin eine andere, jeden Tag!

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