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Und alles wird gut

Mit dem ersten Band der Trilogie „Totenfrau“ hat er das Fundament der Folgebände gelegt, ein gutes und sicheres Fundament: Da ist eine, die rächt ihren ermordeten Mann. Die geht den Schweinen an den Kragen, die immer davon kommen und für die alle Schandtaten immer gut ausgingen, für die einfach immer alles supergut endete. Dem setzt Blum, die Bestatterin aus Innsbruck, ein Ende: Sie killt die Mörder und zerteilt deren Leichen, niemand hätte etwas bemerkt, Blum versteht ihr Handwerk.

Aus Blum, der Liebenden, der Glücklichen mit Mann, zwei kleinen Mädchen und einem aufmerksamen Schwiegervater wird Blum die Killerin am Ende von Band eins und Blum die Flüchtende, die Verzweifelte in Band zwei. Jetzt in Band drei „Totenrausch“ ist Blum beinahe angekommen, in einem neuen Leben in Hamburg, mit Wäsche auf der Leine, guten Kindergartenplätzen und einer Stelle bei einem Bestatter, schwarz, versteht sich.

Doch da ist der, der ihr geholfen hat und der jetzt seinen Lohn dafür fordert. Drei neue Pässe, ein sicheres Leben, drei neue Identitäten gegen einige Morde, nur wenige. Blum widersetzt sich lange, überlegt eine List, ist Täterin und Opfer zugleich und stellt sich und uns die wichtige Frage: Wer entscheidet, wer leben darf oder sterben muss. Gibt es einen gerechtfertigten Mord? Was gilt Rache? Wann hat ihr, Blums, Töten sein Ende, wie funktioniert Vergebung?

Blum und ihre beiden Töchter vermissen den Schwieger- bzw. Großvater: Blum erfährt bei einer Recherche von dessen Tod. Wie geht es Reza, ihrem Vertrauten, schließlich Geliebten, der ihr half, die Leichenteile in den anderen Särgen unterzubringen? Doch jetzt gibt dieser Schiele, Zuhälterkönig und Betrüger, den Takt an: Er entführt Blums Mädchen und will sie zwingen, erneut und nochmals und nochmals zu morden. Schiele, der „seine“ Mädchen grausam zerstört, sie mit Brandzeichen als sein Eigentum markiert, ausgerechnet Schiele will den Rächer spielen?

Jedes Wort, das sie gesagt hat. Jeder Satz. Es war Überwindung, Zurückhaltung, es war Hass, Lüge, Wut. Blum und Schiele im Zug. Sie musste es tun, ihn bei Laune halten, ihm das Gefühl geben, dass er die Kontrolle über die Situation hat, dass sie tatsächlich auf dem Weg zu seiner Schwester sind, er sollte nicht daran zweifeln, dass sie die Wahrheit sagt.

Drei Bände über Blum, mit Blum, die Welt und ihre Verbrechen durch Blums Augen gesehen: Das ist ein Erlebnis, das war jetzt eine längere Reise mit vielen Stationen. Da fährt sie schließlich wieder auf dem Meer, dort, wo wir Blum kennenlernten, als junge Frau, die sich an ihren Eltern rächt für deren Brutalität. Ein kleines Mädchen, das immer zur Strafe in einen Sarg gesperrt wurde, hat sich endgültig befreit, hat Peiniger beseitigt oder beseitigen lassen, hat Zuhälter und Lügner – ja, das waren alles Männer, daher kein Gendern nötig!! – bestraft: Blum segelt im Mittelmeer, der Horizont verändert sich „Alles, was passiert ist, verschwindet“.

 

Der Autor, Osttiroler des Jahrgangs 1972, Sillianer, liebt Schlipfkrapfen und hat mit 15 beschlossen, Schriftsteller zu werden, er wurde auch Fotograf und schreibt u. a. auch Hörspiele und Theaterstücke.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Thriller nicht lesen: Den Ausgang von Blums Reise, Spannung, imponierende Charaktere, die man nicht schnell einmal so auf der Straße trifft, zügiges Erzählen, quasi auf der Überholspur des Lesens, dass das Böse manchmal das Gute ist und das dann auch siegen darf.

 

 

Bernhard Aichner:

Totenrausch.

Thriller.

München: Randome House 2017.

471 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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