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Und irgendwer bringt Erdäpfelgulasch vorbei

Ich war schon in der Buchhandlung von Petra Hartlieb, ich war sogar in echt in ihrer echten Wohnung, als ich sie für die Salzburger Nachrichten über ihre Krimis, die sie mit ihrem Kollegen schreibt, jene berühmten Wien-Berlin-Krimis, interviewte. Hätte ich all das nicht gesehen und so quasi jungfräulich-unschuldig Hartliebs Liebeserklärung an ihren Wiener Freundeskreis, ihre Familie, ihre Angestellten und ihre Buchhandlung gelesen: Ich wäre auf der Stelle hingefahren, denn da will ich sofort dabei sein und wenn ich als Letzte in der Schlange stehe, um mich von diesen Buchhändlern und Buchhändlerinnen beraten zu lassen.

Die quasi über Nacht zur Jungunternehmerin gewordene Literaturkritikerin Petra Hartlieb zeichnet hier ein Bild von Solidarität, in dem SelbstoptimiererInnen einfach nicht vorkommen. Es gibt ein befreundetes Paar, das Hartlieb mit Mann und Kind einfach so für beinahe ein ganzes Jahr in seinem Gästezimmer aufnimmt. Es gibt den Freund, der Geld leiht und es gibt die Hartliebs, die dabei sind, Tag um Tag ihre Buchhandlung einzurichten, um noch etwas vom Weihnachtsgeschäft mitzubekommen. Hier beschreibt eine, die schuften kann und dabei noch die Kraft zum Reflektieren hat: Wie schaffen wir es, unseren Traum zu verwirklichen. Hartlieb zieht gegen Amazon-Einkäufe zu Felde, wagt die Einstellung von MitarbeiterInnen, die nicht dem Klischee des verträumten Buchhändlers entsprechen.

Dabei klingt auch der Selbstzweifel durch, den pubertierenden Sohn in Hamburg – bei Freunden, in einer WG – sich selbst anvertraut zu haben, einfach nach Wien gegangen zu sein, alle Sicherheiten aufgegeben zu haben. „Ihr spinnt“ oder „Toll, dass ihr das macht“, dazwischen liegen die Reaktionen des Umfeldes auf den Kauf der Buchhandlung, der Traditionsbuchhandlung, in Wien. Frankfurter Buchmesse aus der Sicht der Neobuchhändler, Weihnachtsgeschäft, Umbau und dann alles wieder von vorn: Ein Gang durch mehrere Jahre Gründerprobleme und –freuden, dazwischen Elternerfahrungen mit Öffnungszeiten von Kindergärten. Gut zu lesen sind auch Hartliebs Erfahrungen mit Büchertischen, da geht es so richtig zu, da wollen alle die Bücher geschenkt, den Champagner gibt’s schließlich ja auch gratis.

Nachbarschaftshilfe, Menschenfreundlichkeit, Zupacken, wenn eine eine irre Idee hat, liest sich bei Petra Hartlieb dann genau so:

 „Und dann ist er da, der große Tag. Der 4. November, neun Uhr früh. Wir schließen auf und stehen erwartungsvoll hinter dem Ladentisch. Die Radiologin bekommt eine Kurzeinführung an der Kasse, die Journalistin hat in den letzten Tagen geholfen, die Buchhandlung einzuräumen, da weiß sie, wo was steht, so ungefähr zumindest, die Vertreterin kennt immerhin die Bücher ihrer Verlage. Ich stehe in meiner Buchhandlung, vor meinen Büchern, und versuche so auszusehen, als wäre das alles völlig normal für mich.“

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung. Köln: Dumont 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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