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Unsere Gelüste und ihre Befriedigung

Der Film „Super Size Me“ machte die Autorin wohl weltberühmt: Sie hat aufgezeigt, zusammen mit ihrem damaligen Mann, wie Fast Food den menschlichen Körper verändert, aufschwemmt und die gesamte Persönlich doch stark verändert. Das ist nichts Neues. Ebenso wenig wie eine Reise durch diverse Diäten, die alle mit „10 Kilo in fünf Wochen“ oder überspitzt „10 Kilo in 10 Stunden“ ein Happy-End versprechen. Das Ende kommt und es ist immer ein dickeres.

„Was wollen Sie wirklich?“ Diese Frage stellt die Ernährungsexpertin ihren Kundinnen, die sie nach langen Irrwegen durch diverse Diäten dringend um Rat bitten. Alle haben Übergewicht, unabhängig von ihrer Bildung, ihrem sozialen Status und der Qualität ihrer Beziehung. Die meisten nennen eine Kilo-Angabe. Zwanzig Kilo weniger soll aber heißen? Glücklicher, zufriedener, entspannter, weniger einsam.

Wer das jetzt nicht lesen will, klicke weg: Sie empfiehlt einen klaren Blick auf die eigene Sexualität, denn es gehe nicht darum, wie der Körper aussehe, der endlich auch sexuelle Befriedigung erfahre, sondern wie er sich fühle. Also geht es hier um das Sich-Selbst-Fühlen, mit allen Konsequenzen. Alexandra Jamieson geht mit ihren Klientinnen einkaufen, sie lässt sie an Orangen riechen, neugierig durch die Supermarktregale schlendern und überlegen: Was will ich jetzt wirklich essen. „Warum versucht mein Gehirn, mich umzubringen?“ Diese Frage bekommt die Autorin und Ernährungsexpertin häufig zu hören, so auch von Susan, die sich nach ihrem stressigen Arbeitstag mit einer Riesenpackung Eis belohnt und dazu, um den Süßhunger zu dämpfen, Salzstangen isst: In diesem Falle übernehmen die Gelüste die Führung, der Dreiklang aus Zucker, Fett und Salz führt zu einem Hochgefühl und zu unnötigen Kalorien. Dass Gewohnheiten wie auch Gelüste Menschen durch ihr Leben hetzen, wird bereits nach dem zweiten Fallbeispiel klar: Wie gut, d. h. der Gesundheit zuträglich sind die Gewohnheiten, warum fährt man noch schnell zur Tankstelle um die guten Schokobrownies, man macht es am Mittwoch und daher gleich noch einmal am Donnerstag.

„Die Auswahl der Gewohnheit, die Sie als Erste verändern möchten, ist meiner Meinung nach eine ungeheuer wichtige, beinahe heilige Entscheidung, denn sie wird Ihr Gespür für die eigene Verletzlichkeit fördern. Die Auseinandersetzung mit dieser ersten Gewohnheit mag Ihnen zunächst Angst einjagen, aber das ist ganz normal. Wenn wir verwundbar sind, sind wir authentisch und menschlich.“

So verbindet das Buch Antworten zu bestimmten Problemen mit ausgewogener Ernährung und effizienter Entgiftung mit direkten Fragen nach Lebensrhythmus und –themen. So ist manchmal die Kugel Schokoladeeis ein verzweifelter Versuch, die abendliche Einsamkeit – die Kinder sind gerade ausgezogen – zu verwinden. Die Kugel ist schnell gegessen, die Einsamkeit bleibt und Scham legt sich mit uns ins Bett. Ein direktes Buch, ganz ohne Happy End, sondern mit vielen positiven Gedanken zum Fluss des Lebens.

 

 

 

Alexandra Jamieson:

Frauen – Essen – Sehnsüchte.

So bringen Sie Gefühle und Gelüste in Einklang.

Aus dem Englischen von Henning Thies.

München: Knaur 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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