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Unsichtbarkeiten

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass mir als Künstlerin die erste Zeit mit dem Kind, in der ich nicht am Abend auf Ausstellungseröffnungen war, vorgerechnet wird. Kommentare haben sich gehäuft wie: „Ich dachte du wärst von Wien weggezogen.“ oder gar „Machst du jetzt mit dem Baby überhaupt noch etwas?“ Die ersten Monate nach der Geburt hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas verpassen würde durch mein zuhause Bleiben am Abend. Ich habe mich ehrlich darauf gefreut, bald wieder manche Abende in der Kunst- und Kulturszene zu verbringen, und mir war nicht klar, dass manche Herrschaften Buch führen über meine An- und Abwesenheiten. Jetzt hole ich mir meinen Platz in der Kunstwelt zurück. Auf Ausstellungseröffnungen, Kunstmessen, bei Podiumsdiskussionen und Konferenzen zum Thema sind mein Körper und Geist nun wieder anwesend und von jederfrau und jedermann zu betrachten. „Ja, ich bin es wirklich!“ Es werden Pläne geschmiedet, alte Bekanntschaften reanimiert, neue Seilschaften geknüpft und Ideen besprochen. Trotzdem gibt es jedes Mal noch mindestens eine unheimliche Begegnung mit einer Person, die es wert findet, die fünf Sätze Smalltalk mit Fragen um meine Präsenz als Person und Künstlerin zu füllen. Dass das eine gängige Strategie des Kleinmachens von Künstlerinnen ist und ich nicht die Erste bin ist mir klar, dennoch ist es am eigenen Leibe kränkender als gedacht.

Ich setzte mich offiziell einfach ab ins Ausland. Am Besten irgendwo hin, wo schon der Name abenteuerlich klingt. Miete mich dort in ein kleines virtuelles Atelier ein, um ein paar Euro, und verwende die Adresse fortan für meine Korrespondenzen. Dann verbreite ich Mythen und Legenden, wie ich mich dort durchkämpfe und wie toll, neu und subversiv das Leben dort ist. Nicht nur, dass sich die kleine Wiener Nabelschau, genannt Kunstszene, fortan nicht mehr um meine Abwesenheit sorgen muss, ich könnte auch mit dem Aussteigerinnenbonus und der Unberechenbarkeitskarte punkten. Vorschläge gerne willkommen.

 

 

 

 

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