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...verrücktes Huhn und Beihühner...

Ja, ich gebe es zu und deutle gar nicht lange daran herum: ich gehöre einer Gruppe landläufig bekannter, weiblicher Stereotypen an, der Gruppe „verrücktes Huhn“. Und warum auch nicht? Man merkt es ja nicht immer, oder zumindest nicht immer gleich. Ich schaue nicht viel anderes aus als andere Frauen, abgesehen davon, dass ich zur Gruppe der molligen Feministinnen, die sich Tücher um den Kopf binden, gehöre und das sieht man dann halt schon. Aber sonst. Nun. Dass ich ein verrücktes Huhn bin, zeigt sich an folgenden Dingen: Ich bin trotz meines fortschreitenden (nicht sehr wohlmeinende Zeitgenossen würden möglicherweise sogar das Wort „rüstig“ verwenden) Alters jedes Jahr aufs Neue in voller Verkleidung am Faschingdienstag in meiner Heimatstadt unterwegs und habe kein Problem damit, mich dem Gelächter der Jugendlichen (die sich gar nicht mehr verkleiden im Fasching) preiszugeben. Ich rede jeden und alle an, die im öffentlichen Raum meine Aufmerksamkeit durch Wohlverhalten („Sie sehen sehr hübsch aus in ihrer Reptilmusterbluse!“) oder Unwohlverhalten („Hören Sie sofort auf ihr Kind so heftig zu schütteln, sie misshandeln es und ich dulde das nicht“) auf sich ziehen, demonstriere gegen rechts und Atomkraft. Und ich singe auf offener Straße, wenn mich der Übermut packt.

Meine schönere Hälfte hat sich an dererlei längst gewöhnt, auch meine Kinder, und sie finden das ok. („Mama, du bist so ein verrücktes Huhn“) Nicht nur ok, sie finden es inzwischen abgefahren und cool, dass ihre Mama ein Freak ist, schließlich bin ich ja einer, der sich im Rahmen hält, zum Beispiel weder Hauswände mit feministischen Parolen oder nackten Körperteilen besprüht, oder selbstgemachte Schuhe aus Bambusblättern trägt und zuhause angekommen aufisst, um keinen Müll zu produzieren.

Eigentlich bin ich ganz normal, zumindest normal genug für meine Freundinnen, die mir auf weiter Strecke ähnlich sind. Meine Tochter freilich weiß eine andere Erklärung dafür. „Sind halt auch verrrückte Hühnchen, deine Mädels, Mam, sonst würdet ihr euch nicht so gut verstehen.“ Ein Argument, in der Tat. Und ein ermutigendes. Die Welt ist voll von friedliebenden, achtbaren, angepassten, unauffälligen und grauen Mäusen. Ein paar verrückte Hühner tun ihr richtig gut!

Kommentare

One thought on “…verrücktes Huhn und Beihühner…”

  1. Regina sagt:

    Es ist doch gut, wenn es verrückte Hühner gibt……und gerade so viele, dass sich eine schöne, unterhaltsame Runde ergibt. Dafür braucht es nicht unbedingt die Faschingszeit!

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