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Von guten Gluten und schlechten Eltern

Michl liebt Brei, allerdings nicht jeden. Das wäre ja zu einfach. Findet er Pastinake, Spinat oder Tomate auf seinem Löffelchen vor, gibt es erst eine ungläubig dreinsehende Grimasse, gefolgt von einer großen Tobsuchtsszene, wodurch er und sein Kindersitz ordentlich ins Wanken geraten. Die Lust, Zufriedenheit und Aufregung mit der er genussvoll Kürbis, Karotte und Apfel vom Löffel saugschluckt, stimmen mich jedoch fröhlich und zeigen mir, dass er mit knapp sechs Monaten schon große Freude am Essbaren findet.

Was ich EST (Essen, Schlafen und Transport) nenne oder die Ideologische Baby-Triade, schlägt auch bei Karotte und Co. mit dem Schuldgefühlhammer zu. Breifrei, BLW (vom Baby bestimmte Beikost), Beikost nach strengen Menüplänen, selbstgekocht oder Gläschen, … die Möglichkeiten, kulinarisch das scheinbar Beste fürs Baby anzubieten, sind vielfältig. Trotzdem proklamieren die jeweiligen Meinungsvertreterinnen und -vertreter für sich die alleinige Wahrheit und stecken jede und jeden, der oder die’s anders machen will, in die elterliche Eselbank inklusive reichlich Asche aufs Haupt. Darüber hinaus gibt es auch immer Vorgaben, die durch Studien gestützt sind. Vor wenigen Jahren war die Lehrmeinung, beispielsweise Gluten auf gar keinen Fall vor dem 7. Monat zu verabreichen, und heute hingegen sollen Gluten unbedingt schon im 5. oder 6. Monat beigemischt werden. Nach langer Lektüre haben wir uns für eine Art, dem Kleinen die erste Nahrung zu geben, entschieden. Wenn er allerdings so erwartungsfroh mit seinen Ärmchen rudert und glucksende Quietschlaute von sich gibt, macht es dann einfach auch großen Spaß, ihm die Welt der Kulinarik näher zu bringen und von ideologischen Machtkämpfen lasse ich mir als abgebrühte Jungmutter schon lange nicht mehr die Suppe versalzen.

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