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Von toten Füchsen, Reiswaffeln und fiesen Betrügern

Mira Valensky, die geniale Journalistin, Köchin, Freundin und Weggefährtin, hat schon wieder Witterung aufgenommen. Sie ist eine Genießerin, wach, aufgeweckt, politisch korrekt und neugierig. Daher interessiert es sie schon, wer hinter V.A. steckt und wer genau noch einmal hinter der Organisation „Vegane Anarchie“ oder „Victory Animal“ steckt. Schon ist man mitten drin im Tofu-Streit, bei den strengen VeganerInnen, den Betreibern von Gnaden-Höfen und wird noch dazu von ungnädigen Weltverbessern gejagt. Ungemütlich, daher ein guter Krimi und Mira mittendrin. Dabei wollte sie eigentlich nur ihre langjährigen Freunde treffen, mit ihnen am Weingut ein gutes Glas und eine gute Jause genießen. Ja, auch der Wein ist vegan, und Martina, die junge Winzerin, so richtig empört. Sie ist Mitgründerin der Initiative „Landsleute“, die meisten Mitglieder sind mit ihr in die Fachschule gegangen, die anderen nennen die jungen Bauern und Bäuerinnen einfach Tiermörder.

Das ist das Paket, das Eva Rossmann, Juristin, Journalistin, ausgebildete Köchin und Krimiautorin diesmal geschnürt hat: Haufenweise Ideologie, haufenweise nette Leute, haufenweise Seitenblicke-Leute und haufenweise Verdachtsmomente. Dass auch die Landsleute gemeine Ideen haben, wird schnell klar und dass einer, der an Herzversagen stirbt, vielleicht doch ermordet worden ist, liegt bald auf der Hand. Und was hat jetzt dieser tote Fuchs mit dem Mord zu tun? Spinnen die jetzt alle? Gut, dass Mira Valensky noch immer die bodenständige – darf man das jetzt so sagen, ist das vielleicht auch ideologisch anrüchig??? – Vesna Krainer an ihrer Seite hat. Mutig treten die beiden wieder auf und finden auch die verschwundene Berliner Kabarettistin wieder, die hat ja ihre Feinde schon ordentlich provoziert. Wer hat den jungen Bauern, der die Veganer so auf die Schaufel genommen hat, erschossen und überhaupt: Sind alle Schandtaten wirklich politisch motiviert? Geht es wirklich um den Kampf Fleisch gegen Soja, Gut gegen Böse, Bodenständig gegen Alternativ, Ehrlich gegen Geldgierig? Fragen des Lebens und Fragen eines guten Krimis.

Zwei Obdachlose, die sich unter einen Bogen zurückgezogen haben. Sie sind wohl lieber hier für sich als bei den vielen nahe beim Bahnhof Zoo. Drogen, Alkohol, Krankheit, falsche Freunde, falsche Liebe: was immer Menschen kaputtmacht und an den Rand treibt. Manchmal ist es wohl bloß das Leben. Man kann es sich nicht immer aussuchen, angebliche Freiheit hin oder her. (S. 245)

 

Die Autorin weiß, wovon sie schreibt. 1962 im Weinviertel geboren, Verfassungsjuristin und politische Journalistin; nach einem Bundespräsidentenwahlkampf an der Seite der damaligen Kandidatin Gertraud Knoll schreibt sie ihren ersten Krimi „Wahlkampf“ 1999, seither folgen jährlich neue „Folgen“, denn sie lässt uns teilhaben am Leben – in der Arbeit, in der Liebe, in der Freundschaft – ihrer Heldin.

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Witz, Humor, Nachdenken über politische Korrektheit, Genuss, Hinterfotzigkeit, wieder gute Rezepte und Treffen mit engagierten Menschen.

 

 

Eva Rossmann:
Gut aber tot.
Ein Mira-Valensky-Krimi.
Wien – Bozen: Folio Verlag.
269 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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