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Warum ausgerechnet Trump?
Eve Marko ist eine Amerikanerin, die Hillary wollte und Donald bekommen hat. Was bewegt die Friedensaktivistin nun?

Als Barack Obama vor acht Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, schwebte ich wie im siebten Himmel. Mein Mann, meine FreundInnen und ich trugen tagelang ein glückseliges Lächeln im Gesicht. Es war ein Meilenstein in der Geschichte Amerikas. Doch auch die Wahl Trumps ist ein historischer Moment. Und ich erkenne, dass dieser Moment Teil von etwas weitaus Größerem ist, was ich bislang nicht sehen konnte. Worum es nun geht, ist, sehr aufmerksam zu sein für alles, was dieser Moment enthüllt und mit sich bringt. Nun gilt es, mit beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen.

Es wird heute oft gesagt, dass wir eine gespaltene Nation seien. Ich stimme dem nicht zu, denn es gibt viel mehr Berührungspunkte, als wir meinen: „Kann sein, dass ich Trump wähle, auch wenn ich von manchen Dingen, die er sagt, nicht begeistert bin“, sagte eine Frau zu mir, die bei der Pflege meines Mannes hilft. Alle Berichte scheinen das zu bestätigen: Vielen Leuten, die Trump wählten, war nicht so recht wohl bei dem, was er über Frauen, ImmigrantInnen, MexikanerInnen sagte. Vielen war es deshalb auch peinlich, zuzugeben, dass sie ihn wählen würden. Das erklärt, weshalb die Prognosen so falsch lagen. Die Menschen wählten Trump trotz all dem, was sie an ihm irritierte. Weil er ihnen Dinge versprach, die ihnen wichtiger waren.
Ich habe jetzt eine Ahnung davon bekommen, wie es Menschen gehen muss, die aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion täglich mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert sind. Denen zwar erklärt wird, dass die meisten Menschen doch gar keine RassistInnen seien, dass alle Menschen ein Recht darauf hätten, an der Demokratie und dem Wohlstand dieses Landes teilzuhaben, und dass jeder sein Leben leben dürfe. Dass es aber letztlich Wichtigeres gebe.

UNBEKANNTES DA DRAUSSEN
53 Prozent der weißen Wählerinnen stimmten für Donald Trump. Das ist ein schwerer Schlag. Ich brauche an dieser Stelle sicherlich nicht seine beleidigenden und frauenverachtenden Äußerungen zu wiederholen. Als ich Trump in den Wochen des Wahlkampfs zuhörte, kamen Erinnerungen an körperliche und verbale Übergriffe in mir hoch, die Teil meines Lebens ebenso wie das der meisten Frauen sind. Dachten diese 53 Prozent der Frauen jemals darüber nach, welche Botschaft sie damit an Männer überall in der Welt aussandten, als sie einen Mann ins Weiße Haus schickten, dessen Verachtung für Frauen so offensichtlich und öffentlich ist? Es lässt mich erschauern, wenn ich Frauen sagen höre, dass Trumps Worte doch nichts Besonderes seien, ihre Väter und Brüder würden schließlich jeden Tag das Gleiche sagen. Wenn das die Möbel im Raum sind, in welchem Haus leben wir eigentlich? Woran haben wir uns gewöhnt? Was haben wir verinnerlicht? Und was erwarten wir?
Ich habe in den Tagen nach der Wahl verstanden, dass es da draußen viel gibt, von dem ich nichts weiß. Es gibt Menschen in diesem Land, deren Leben mir fremd ist und deren Motivationen, Bedürfnisse, Gefühle und Wertesysteme ich kaum nachvollziehen kann. Offensichtlich gibt es weite Teile Amerikas, zu denen mir der Bezug fehlt.

 

Am 21. Jänner, einen Tag nach der Regierungsübernahme von Donald Trump, wird der „Women’s March on Washington“ ein Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 01/17.

Die Idee: Hear our Voices!

Hunderttausende AmerikanerInnen machen sich bereit, um am 21. Jänner, einem Tag nach der Regierungsübernahme des Rechtspopulisten Donald Trump, mit ihrem „Women’s March on Washington“ ein sichtbares Zeichen für Demokratie und Toleranz zu setzen. „Wir zeigen uns solidarisch mit all denjenigen, die im Wahlkampf von Trump beleidigt, bedroht und ausgegrenzt wurden“, erklärt die Initiatorin Bob Bland. Der Frauenmarsch soll eine machtvolle Botschaft an die neue Regierung und an die ganze Welt übermitteln, dass die Rechte der Frauen Menschenrechte sind. Der Frauenmarsch hat das Lincoln Memorial in Washington D.C. als Ziel. Dort hat der Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 seine berühmte Rede „I have a dream“ gehalten. Aktuelles zum Frauenmarsch immer auf Facebook unter: Women’s March on Washington.

 

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Eve Marko ist Mitbegründerin der internationalen „Zen Peacemakers“. Ihre spirituelle und politische Friedensarbeit führte sie in viele Krisengebiete dieser Welt. © beigestellt

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 01/17 – von Christa Spannbauer