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Warum nicht immer die Schnellsten das Rennen machen

DDDr. Clemens Sedmak steht für Inspiration, enormes Wissen und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte gut aufzubereiten. Dinge wie das Leben halt: Was das Leben eigentlich ausmacht, wie man es Tag für Tag lebt und wie man es auch leben könnte. Wie gelingt es, dem Leben eine andere Richtung zu geben, die nicht immer eine neue, eine radikale sein muss. Der Autor verlangt uns ab der ersten Seite so einiges ab: Vielleicht auch nur eine Gewohnheit zu ändern, die dafür aber beharrlich, auch an den miesen Tagen, auch dann, wenn es regnet. Es geht um den ersten Schritt, den man machen muss, nur einen kleinen Schritt also gilt es zu machen. 30 Tage lang versuchten sich Menschen darin, eine, wirklich nur eine Gewohnheit, zu ändern. Glauben Sie ja nicht, dass es bei der einen geblieben ist. So nebenbei entwickelte ich lesend das, was Sedmak „Selbstethik“ nennt, er spricht gleich im Vorwort von „Ethik im Umgang mit mir selbst“ bzw. einer experimentellen Lebensethik.

Dabei wurde ich auch ganz gelassen, wenn ich meine Gewohnheiten auflistete und betrachtete. Ja, Sedmak hat Recht, sie sind Teil meiner Lebensgeschichte. Die Beispiele, die der Autor anführt, sind aus dem Alltag genommen, nicht spektakulär. Oder finden Sie das Zupfen an der Nagelhaut skeptakulär? Nein, das mache nicht ich, ich habe andere Angewohnheiten, die ich gern ändern möchte, etwa bei Müdigkeit zu essen anstatt zu schlafen. Aber wie geht man vor, wenn man beginnen will mit dem Aufhören: Aufhören mit dem Nagelhautzupfen. Aufhören mit dem ständigen Nörgeln? Wofür steht diese Angewohnheit? Wem fällt sie auf und durch welche andere Handlung wird sie ersetzt? Keine Änderung also ohne Folgen. Da erzählt eine Frau davon, dass sie sich täglich von einem Gegenstand trennen will, doch welcher ist es heute? Sind sie nicht alle wertvoll und stecken sie nicht voller Erinnerungen?

Der Blick auf Gewohnheiten bringt eine neue Achtung vor einem Tag mit sich. Wir haben nur den heutigen Tag; der gestrige Tag ist vergangen und verloren; der morgige Tag ist noch nicht da und noch im Nebel; wenn wir unser Leben in die Hand nehmen und gestalten wollen, dann am heutigen Tag. Jetzt. 24 Stunden sind eine lange Zeit.

Ein Blick auf den Alltag ohne Klugscheißerei und ohne den Zeigefinger eines Besserwissers. Klugheit ist erotisch, gern wird man bei der Lektüre ein wenig weiser, sich selbst hinterfragender, kritischer auf die eigenen Gewohnheiten und deren tieferen Ursachen.

 

Clemens Sedmak:

Jeder Tag hat viele Leben.

Die Philosophie der kleinen Schritte.

Salzburg: Ecowin 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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