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„Was für eine Befreiung!“

Die bekannte Schweizer Psychotherapeutin und Autorin Julia Onken kann dem Alter viel Gutes abgewinnen. Neue Freiheiten und ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens wollen genutzt werden.

Ihr aktuelles Buch „Im Garten der neuen Freiheiten“ ist ein Reiseführer durch die späten Jahre. Welche sind denn die schönsten „Pflänzchen“ in diesem Garten?
Julia Onken: Eines gleich vorweg: In diesen Garten geht man nicht einfach so mit einem lauten „Hurra“ hinein, das wäre gelogen. Der Abschied vom blühenden Stadium, von der Schönheit – das ist eine harte Nuss, die es zu knacken gilt und die den meisten doch sehr viel Mühe macht.

Wo sind dabei die Chancen versteckt?
In diesem Abschied steckt eine wichtige Lektion, die uns die Türen zu den neuen Freiheiten eröffnen kann: Sie stehen am Morgen fröhlich auf, singen „Halleluja“ unter der Dusche, werfen sich etwas Schönes über. Und dann plötzlich sehen Sie sich im Spiegel und nehmen wahr, dass das, was Sie innerlich fühlen, nicht mit dem identisch ist, was Sie nach außen darstellen. Gut, das kann man einfach verdrängen. Man kann sich umziehen, farbtechnisch noch etwas nachbessern. Man kann aber auch tiefer gehen und akzeptieren, dass es offensichtlich zwei Realitäten gibt, die äußere und die innere. Die äußere ist der Vergänglichkeit unterworfen. Dann gibt es aber etwas Inneres, was ewig ist. Was unbeschädigt all die Jahre vor sich hin blüht. Beide Realitäten haben ihre Wahrhaftigkeit. Da kann ich mir die Frage stellen: „In welche Aktie will ich investieren, in die vergängliche oder in die ewige?“

Der innere Reichtum ist also das Kapital der reifen Jahre?
Genau! Dazu gehört auch die tolle Erkenntnis, dass man niemandem mehr nach dem Mund reden, niemandem mehr „gefallen“ muss. Ich kann endlich meine Meinung sagen und mir selbst treu bleiben.

Aber Sie sagen auch, dass man den Verlust nicht unterschätzen darf.
Natürlich, es tut auch weh. Für diesen Schmerz, für diesen Abschied haben wir aber kein Ritual. Beim Abschied von der Schönheit kommt uns nicht in den Sinn, Trauerarbeit zu leisten. Dabei reicht es schon, mit Freundinnen darüber zu reden. Der besten Freundin macht man nichts vor. Wenn ich aber verdränge, wird es gefährlich. Denn wie alles, was man verdrängt, kommt auch dieses Thema bei der Hintertür wieder herein.

Das ganze Interview finden Sie in „Welt der Frau“ 05/16.

28_9783406684227_coverJulia Onken:
Im Garten der neuen Freiheiten.
Verlag
C.H. Beck,14,95 Euro

 

Zur Person

Die Schweizer Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin Julia Onken (74) hat 1987 das Frauenseminar Bodensee gegründet. Sie hält Vorträge, engagiert sich auch politisch für Frauen und schreibt Bücher (unter anderem „Feuerzeichenfrau“, „Vatermänner“, „Rabentöchter“. www.julia-onken.ch). 

Erschienen in „Welt der Frau“ 05/16 – von Carola Malzner