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Weil ich so eine Wut hab’ über die Menschen

Das Buch ohne Titel“ ist das einzige Buch von Lina Loos, die als Feuilletonistin und Schauspielerin bekannt ist und als Wiener Institution gilt, das zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wurde. Diese Sammlung ihrer Geschichten, Essays und Erinnerungen an ihr Nahestehende gilt es ebenso zu entdecken und immer wieder zu lesen wie den vorliegenden Band, diese Briefsammlung, ein Schatz aus Leidenschaft, Offenheit, Zuwendung, heute wohl als Resonanz zu beschlagworten.

Bereits 1966 gaben Franz Theodor Csokor, ein lebenslanger Freund und Bewunderer von Lina Loos sowie Leopoldine Rüther, ihre Begleiterin der letzten Jahre, eine Briefsammlung heraus. Der Buchtitel geht übrigens auf einen schwärmerischen Brief zurück, den Peter Altenberg ihr schreib. Übrigens kommt dieser Brief in der Sammlung von 1966 nicht vor. Die aktuelle Ausgabe versteht sich als Ergänzung, als Vervollständigung der Zeitdukmente wie auch des daraus entstehenden Porträts der 1882 in Wien als Karoline Obertimpfler geborenen Lina Loos.

Die hier vorliegende neue Anthologie mit Briefen an Lina Loos – und auch einigen erhalten gebliebenen von ihr – soll dazu beitragen, das Porträt dieser außerordentlichen Frau zu vervollständigen, einige neue Farbtöne hinzuzufügen und bis im Verborgenen Gebliebenes ans Licht zu rücken – auch wenn natürlich manches ungesagt bleiben muss, das nicht in die Öffentlichkeit gehört. (S. 10)

Persönlichkeiten wie Peter Altenberg, Adolf Loos Egon Friedell, Alfred Polgar, Joseph Roth, Else Lasker-Schüler und besonders interessant auch Kerstin Strindberg als VerfasserInnen von Briefen in unterschiedlicher Sachlichkeit und Leidenschaft, Wut und Sehnsucht, Selbsterklärung und Hinwendung kennenzulernen, ist besser als jede Literaturgeschichte, faszinierender als ein Film. Man stelle sich nur die Reise dieser Briefe vor, die Leidenschaft ihrer VerfasserInnen, das Hinsehnen auf Antwort, die Direktheit der Gefühle und die Zeitgeschichte hinter diesen Texten.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Briefkultur, Freude am Lesen sehr unterschiedlicher Briefstile, eine Mini-Literaturgeschichte rund um Lina Loos, einer brillanten Kolumnistin und Schauspielerin, Freude daran, mehr von den einzelnen BriefschreiberInnen zu erfahren und zu lesen.

 

Die Autorin wurde am 9. Oktober 1882 in Wien geboren, hieß mit bürgerlichem Namen Karoline Obertimpfler, kam aus betuchtem Hause, ihr Vater löste sie und ihren Mann Adolf Loos aus Gasthäusern aus, bezahlte die Rechnungen des Ehepaars; Lina Loos soll später dann die Sorglosigkeit ihres Ehemanns in finanziellen Belangen als einen Grund des Scheiterns ihrer Beziehung nennen.

 

 

Lina Loos:

Du silberne Dame Du.

Briefe von und an Lina Loos.

Neu herausgegeben von Adolf Opel.

Wien: Edition Atelier 2016.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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