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Weiß, weich und salzig

Unser Sohn hat sehr genaue Vorstellungen von seinem Menüplan. Ich komme regelmäßig ins Schwitzen, wenn ich etwas „Neues“ auftische, das in 95% der Fälle strikt verweigert wird. Neophobie ist wenn die Kinder zunächst alles verweigern lässt, was sie nicht kennen, so habe ich gehört. Er hat eine gewisse Neigung zu weißen und gelben, homogenen Speisen. Auch alles, was im Entferntesten nach Schokolade aussieht, wird grundsätzlich gegessen. Pommesartige Nahrungsmittel sind ebenso hoch im Kurs und gerne gesehen. Eine Neuentdeckung stellen Gnocchi dar, serviert mit Butter und Salz, da die Tomatensauce heftige Proteste hervorgerufen hat. 

Würde es ganz nach ihm gehen würde sein Speiseplan im Moment folgendermaßen aussehen: Frühstück – Milch und Schokokekse, Vormittagsjause – Eis in der Tüte und vielleicht ein paar weiche Schaumgummibärli dazu, zum Mittagessen eine Backerbsensuppe mit Pommes und als Dessert Joghurt, Nachmittagsjause Traubenzuckerlolli und Grissini mit Apfelsaft und zum Abendessen schließlich Gnocchi mit extra Butter und als Dessert Schokopudding. Wenn ich mir dieses Menü ansehe muss ich herzhaft lachen, denn um ehrlich zu sein, das wäre bis auf die fehlenden zwei Tassen Kaffee zu ziemlich haargenau auf mein Schlaraffenlandschlemmerprogramm.

Eine Freundin, die Nahrungsmittelchemikerin ist, wies mich darauf hin, dass es angeblich eine genetische Prädisposition gibt Nahrungsmittel in ihrer Reinform zu bevorzugen. Ich muss noch einmal nachhaken, was das genau bedeutet, aber zumindest klingt das auch für mich plausibel. Mir macht man keine Freude mit komplizierten Gewürzen und Eintöpfen – ich mag’ auch am Liebsten einfache Dinge wie ein Salzstangerl mit Butter und dazu ein großes Stück Käse. Auch Süßem bin ich ganz und gar nicht abgeneigt, idealerweiser in der schokoladigen Reinform. Vielleicht spiegelt mein Sohn einfach das wieder, was ich auch am Liebsten mag. So oft schon habe ich zu hören bekommen: er holt sich schon, was er braucht. Ich hoffe, dass das stimmt und versuche auf seine Instinkte und meine Koch-Kreativität zu bauen, es wird schon und wie immer gilt: es ist alles nur eine Phase.