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Bei einigen Testamentsformen ist es notwendig, dass sogenannte Testamentszeugen mitwirken. Kann beispielsweise eine Person nicht schreiben, macht sie statt einer Unterschrift vor drei Zeugen ein Handzeichen (§ 580 ABGB). Kann der Erblasser nicht lesen, wird das Testament von einem Zeugen in Anwesenheit von zwei weiteren Zeugen, die den Inhalt des Testaments eingesehen haben, dem Erblasser vorgelesen (§ 581 ABGB).
Bei einem privaten (außergerichtlichen) schriftlichen eigenhändigen Testament (§ 578 ABGB) sind keine Zeugen notwendig. Hier muss der Erblasser sein Testament vollständig eigenhändig schreiben und unterschreiben. Ist man zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, das Testament selbst zu schreiben, bietet sich ein privates (außergerichtliches) fremdhändiges Testament
(§ 579 ABGB) an. Dieses wird von einer anderen Person geschrieben, der Erblasser muss selbst nur mehr unterschreiben. Außerdem muss der Erblasser vor drei Zeugen erklären, dass das Testament seinen letzten Willen enthält. Es müssen wenigstens zwei Zeugen gleichzeitig anwesend sein, der dritte Zeuge kann auch nachträglich beigezogen werden. Es muss aber eine gewisse zeitliche Nähe gegeben sein. Es ist nicht notwendig, dass die Zeugen den Inhalt des Testaments kennen, sie müssen aber wissen, dass es sich um ein Testament handelt. Die Testamentszeugen müssen auf der Testamentsurkunde unterschreiben, entweder vorne oder hinten, und ihre Unterschrift hat den Zusatz »Zeuge« zu enthalten.
Bestimmte Personen können nicht Testamentszeugen sein  (§ 594 ABGB). Es sind dies Personen, die als Erben oder Legatare im Testament bedacht sind, sowie deren Ehepartner, Eltern, Kinder und Geschwister oder im selben Grad verschwägerte Personen. Geschiedene Ehepartner zählen nicht mehr zum Kreis der zeugnisunfähigen Personen, wohl aber Halbgeschwister und Verschwägerte des Bedachten, uneheliche Kinder, Wahlkinder und Großeltern. Schließlich sind auch »besoldete Hausgenossen« nicht zum Bezeugen eines begünstigenden Testaments fähig. »Besoldete Hausgenossen« sind im Haushalt des Bedachten gegen Entgelt Beschäftigte. Minderjährige und Personen, die blind, taub, stumm oder geisteskrank sind oder die Sprache des Erblassers nicht verstehen, können ebenfalls nicht Testamentszeugen sein (§ 591 ABGB).


Erschienen in „Welt der Frau“ 11/ 2007 – von Dr. in Ulrike Aichhorn