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Weltkulturerbe Kaffeehaus?

Ostern steht vor der Tür. Endlich passen sich auch die Temperaturen der Jahreszeit an, Frühlingsgefühle kommen auf. Wir freuen uns auf den ersten längeren Aufenthalt am See, mit einem Besuch in unserem Stammcafe. Und so führt uns auch heute der erste Weg in „unser“ Cafe am See. Voll Freude betreten wir das alte Kaffeehaus, ein Cafe mit Wiener Charme und Gemütlichkeit.

Und bleiben wie angewurzelt noch in der Tür stehen …und schauen uns entsetzt an! Wo sind die gemütlichen runden Kaffeehaustische, wo die Ecktische mit den abgewetzten grünen Lederbänken, wo die alten Jugendstil-Garderobenständer? Wo die vielen Wochen -und Tageszeitungen, von der „Zeit“ über die „Süddeutsche“ bis hin zu allen österreichischen Printmedien? Und wo unser Kellner, der selber Literat ist?

Eine neue Mannschaft steht hinter der Theke. Das gesamte Lokal erstrahlt in hellem Holz, mit Polstermöbeln im Lounge-Stil, gold-beige, auf einem mit Teppichboden überzogenem Podest. Geschockt setzen wir uns erst einmal, trinken unseren obligatorischen Cappucino. Der ist um die Hälfte kleiner geraten, auch das Glas Wasser dazu ist schon mehr ein Tropfenfänger.   Wir können es nicht fassen. Wer macht so was, ein Juwel wie dieses alte Traditions-Kaffeehaus „wegzudesignen“? Es war ein Platz, geschaffen zum Verweilen, Tratschen, Lesen, für ein Stammpublikum, das aus einem Konglomerat aus Einheimischen, Zweitwohnungs-Besitzern und Tagestouristen bestand.

Der Charme des neuen Lokals gleicht dem eines Flughafen- oder Bahnhofscafes, zwar elegant und teuer eingerichtet. Aber es ist eine Lounge! Offensichtlich sticht eine Lounge heutzutage ein altes Wiener Kaffehaus aus, so wie das As den König. Lounges gibt es am See schon einige, oft direkt am See, auf langen Stegen in das Wasser hineingebaut. Da lässt es sich gut chillen, bei einem kühlen Getränk an einem heißen Sommertag.

Aber ein altes Kaffeehaus ist etwas anderes! Das ist Kulturgut, vom Aussterben bedroht, wie man/frau sieht! Es müsste unter Kulturschutz gestellt werden! Das Wiener Kaffeehaus als Weltkulturerbe, gibt es das schon? Ich plädiere dafür!

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

Kommentare

One thought on “Weltkulturerbe Kaffeehaus?”

  1. Irma Jung sagt:

    Liebe Anneliese, dieser Kommentar kommt aus Aachen. Von Irma und Heinrich. Wir haben auch gerade unsere brasserie Aix verloren. Machen um das nichts sagende Neue einen grossen Bogen. Das geleckte Nichts!! Du, fliegt ihr nach Lesbos?? Und wann? Simse mal!! Umarmung Irma

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